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Da wird der Hund in der Pfanne verrückt…
15. Oktober 2015|Ich schreibe dir...

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt…

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt…

…und die Welt dreht sich einfach weiter! Teil I

 

In 60 Tagen um die Welt: Was bisher geschah!

Schon irgendwie irre was alles so in kurzer Zeit, quasi in ganzen 2 Monaten, passieren kann. Da hatte ich binnen weniger Tage nach der Diagnose schon eine OP hinter mir, bei der das Tumorgewebe aus der Brust entfernt wurde und ich hatte noch eine weitere OP überstanden, bei der mir ein Port-Katheder eingesetzt worden ist.

Ich hatte mich in dieser Zeit sogar schon 3 Mal mit Taxol (Paclitaxel) vergiften lassen, was ich ganz gut vertragen hatte, so als wäre nichts gewesen. Die Haare hatte ich mir erst zu einer Kurzhaarfrisur schneiden lassen und mir selbst nach 2,5 Wochen zu einer Glatze rasiert, was ich in einem Video festgehalten hatte.

Zudem hatte ich ein wunderschönes Fotoshooting noch mit langen Haaren hinter mir, wurde Patentante von Uwe, der französischen Bulldogge, und lachte sogar darüber, dass mir erst gesagt worden ist, dass ich keine genetische BRCA-Mutation habe. Doch April April, äh Juni Juni: Mir wurde dann doch dieser Fehler auf dem Chromosomen 17 nachgewiesen. H U A R  H U A R !

Über all das kannst du in den vorangegangenen Tagebucheinträgen nachlesen.

 

Und weiter geht’s – das Leben ist zu kurz, dafür mega bunt

Als ich das Rasieren meiner Glatze auf einem Video aufnahm, war das für mich irgendwie wie ein „Abschütteln“ des ganzen angestauten Desasters der letzten Wochen. Ich war völlig durch mit den Nerven. Absolut fertig mit der Welt. A B E R immer noch standhaft, funktionstüchtig und mit geschliffenen Hörnern versehen, um der kommenden Zeit die Stirn bieten zu können. Doch erst einmal benötigte ich eine gesunde Mütze Schlaf – das erste Mal mit Glatze.

Ich stand dann also am nächsten Tag auf, machte die Waschmaschine an, aß mein Standard-Deluxe-Frühstück und schaute dabei eine Serie, holte mein Rad aus der Werkstatt, ging zur Sparkasse, hing die Wäsche auf, machte mir Pellkartoffeln mit Quark.

Später trank ich einen Macchiato mit Hanna im „Das Ladencafé Linden Nord“, ging eine Hunde-Runde spazieren, saß mit einer Limo auf der Wiese und ließ den Abend mit einem Essen im Restaurant „Fischers“ inklusive Rum Cola ausklingen.

In den nächsten Wochen fühlte sich alles ein wenig so an, als hätte ich ein etwas längeres Wochenende… ein chilliges Wochenende wochenlang. Zumindest gab ich alles dafür, mich nicht unterkriegen zu lassen und einfach die Zeit zu genießen. Den Kopf in den Sand stecken kann jeder. Der Sommer kratzte an der Tür!

 

Ein Wochenende wochenlang

Ich lauschte hier ein paar schönen Music-Acts auf der Fête de la Musique, traf da alte und neue Freunde, trotzte dort dem Regen und aalte mich da hinten in der sommerlichen Hitze, natürlich im Schatten, und winkte das Ächzen Anderer über diese wunderbaren Sommertage ab.

Ich ging ins Apollo Kino um die Ecke für „Birdman“, für „Jurrassic World“ ins große neue Kino „Astor“ in der Stadt, traf mich mit Anja im Restaurant „11 A“ zum essen, bekam Besuch von Silke aus Hamburg. Ich frühstückte mit Suze im „Safran“, telefonierte mit der Krankenkasse wegen dem Krankengeld sowie der Zuzahlungsbefreiung und brachte Unterlagen für meinen Schwerbehindertenausweis beim entsprechenden Fachbereich vorbei.

Ich durfte mein Patenkind auf dem Ultraschall sehen, schwitzte auf der „Strandleben“-Party mit Jacky und Ann, aß ein fettes Eis bei der „Ben & Jerrys Movie Night“ und hing so oft es ging im Garten ab (wenn der nicht vollends von meinen lieben Nachbarn belagert und noch ein schattiges Plätzchen zu ergattern war).

Ich bestellte meine Lieblings-Pizza, Pizzabrötchen und schaute Tatort. Ich kochte mir Pellkartoffeln mit Kohlrabi in Bechamelsoße, nachdem ich bei Sabine und Esa auf dem Balkon in der List chillte. Ich habe mich mit einigen Klienten auf einen Kaffee getroffen und gammelte mit Sweet-Murmel-Frauke auf dem „Fährmannsfest“ auf dem Rasen oder mit Peter irgendwo vor der Bühne rum.

Ich fuhr mit Thorti zu Ikea wegen ein paar Backformen, fing an Kuchen zu backen und F R E U N D E zur dessen Vernichtung zu mir nach Hause einzuladen. Ich traf ehemalige Kollegen wieder einmal im leckeren „Fischers“, fuhr mit Julia nach Celle zum Grillen zu ihren Eltern im Garten und ließ mich hier und da auch mit einer Limo auf der Limmer blicken.

Ich grillte im schönsten Hinterhof-Garten Lindens mit ein paar Freunden bis tief in die Nacht hinein. Es war so schön mild. Ich war mega glücklich. Ich gesellte mich spontan zum Gretchen-Biergarten-Treffen hinzu und aß so oft es ging entweder ein belegtes Eibrötchen oder leckeres Croissant Natur pur in der „Hörbar“ um die Ecke.

Ich traf mich mit meinem Chef auf einen Kaffee am Lindener Markt und vernichtete mit Peterson das leckerste Schnitzel in the hood im Restaurant „Das kleine Museum“. Ich bastelte mit Ender weiter an meiner Vespa rum und aß nach getaner Arbeit Sushi mit ihm. Und irgendwann dazwischen veröffentlichte auch meinen Blog „Mopstollwut“. Y E A H !

Latte Macchiato, selbstgebackenen Kuchen und gemütliche Treffen round about Hannover und in meinem Hinterhof-Garten gab es ohne Ende mit Hanna, Julia, Suze, Thorti, Silke, Anki, Jacky, Sarah, Katja, Rico, Tülay, Natascha, Ender, Flo, Oguz, Frauke, Fabi, Peter, Peterson, Esa, Sabine,… um da hoffentlich niemanden vergessen zu haben.

 

Mit mir nicht! Die Welt dreht sich weiter, ob ich nun Krebs habe oder nicht!

Mir ging es prima! Ich konnte nicht meckern. Ich bin schon durch so viel Scheiße gelatscht, habe so viel an mir gearbeitet, dass ich mich letztendlich so gut im Leben aufstellen konnte… was ich mir von dem Mopstollwut-Scheiß nicht wieder kaputt machen lassen wollte. Echt nicht. Nö! Dachte ich mir – mit (an)geschwollener Brust. M U H A R  H A R  H A R !

Ich möchte die Zeit genießen, hier, jetzt, … immer noch! Also… komm her du Scheiß-Krebs, es wäre gelacht wenn ich mit dir nicht auch noch fertig werden würde. Derzeit hatte ich 8 Mal Paclitaxel und 5 Mal Carboplatin geschafft. 4 Mal Paclitaxel und Carboplatin sowie 4 x EC (Epirubicin + Cyclophosphamid) standen noch vor der Tür. Quasi Bergfest. T S C H A K A !

Die Welt drehte sich also ganz normal weiter… Ich rauchte sogar noch wie ein Weltmeister. Eigentlich voll ekelhaft – in so einer Situation. Ich weiß. Doch das gab mir Sicherheit. Alles ist normal. Alltäglich. So nach dem Motto: Die Welt dreht sich weiter, ob ich nun Krebs habe oder nicht!

Doch für mich drehte sich alles bald allmählich langsamer…

Was da alles so als Bremse auf der Mops-Party auftauchte, kannst du dann in meinem nächsten Tagebucheintrag „Hinter dem Lächeln der ganze Shitstorm!“ lesen.

 

Anja, vielen lieben Dank für den verrückten Mops!


Beitragsbild: Anja Weiss, www.anja-weiss.com

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Hi, ich bin Ulrike...

...erst war da die Diagnose: Brustkrebs! Ich nenne es mit etwas Galgenhumor: Mopstollwut!

Das Lachen bleibt. Es ist die beste Medizin. Lach mit mir mit!

Was die Mopstollwut mit mir macht und ich mit ihr... Das könnt ihr in meinem Blog lesen!