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Die Diagnose: Mopstollwut
3. August 2015|Ich schreibe dir...

Die Diagnose: Mopstollwut

Die Diagnose: Mopstollwut

Schmerzen + Quetschen + Stanzen = Diagnose

Geht bestimmt wieder weg…

Und dann: In der Nacht vom 1. zum 2. März bin ich aufgewacht, weil ich so starke Schmerzen in der rechten Brust hatte, so als wenn mir der Mops gleich platzen würde. Ich taste im Dunkeln… Was Gnubbeliges! Vielleicht von der Pille? Eine Wassereinlagerung? Geht bestimmt wieder weg, dachte ich. Und schlief wieder ein…

Als es jedoch 3 Nächte später wieder höllisch schmerzte, fasste ich mir ans Herz und überwand meine Scheu beim Gyn anzurufen und zu fragen, wie ich mich verhalten soll. In Anbetracht dessen, dass ich gerade wieder mit der Pille angefangen hatte, sollte ich den Blister zu Ende nehmen, und wenn es dann immer noch so ist, vorstellig werden.

Zwar war es dann nicht gleich wieder weg, schmerzte jedoch nie wieder so stark… und da ich eh am 9. April einen Termin hatte, glaubte ich daran, dass es nix Ernstes ist und flog erst einmal zu meiner Schwester nach Zürich.

World of Mopsquetsching und Hautziehing

Ich saß dann also bei meinem Gyn: Untersuchungsraum. Abtasten. Ultraschall (Sonographie). Mit der Überweisung zur Mammographie und später ggf. Stanzbiopsie in der Hand, fiel mir auf: Was es sein könnte oder auch nicht – darüber haben wir irgendwie nicht gesprochen.

Und so unbefangen düse ich also los und direkt zur Praxis bei der ich mir die Möpse platt drücken lassen darf und bekam recht zügig, mal eben so, aufgrund des netten Arztes, den ich bei der Untersuchung dann wieder sehen durfte, rein gequetscht, zu einer ekelhaften Uhrzeit, einen Termin.

Ich wurde folglich am darauffolgenden Montag von 2 behutsamen Händen einer sehr netten Dame in der World of Mopsquetsching und Hautziehing eingeführt. Das tat unangenehm weh, jedoch ging das pro Mops so schnell, dass man gar nicht die Möglichkeit hatte „Aua“ zu blöken.

Anschließend wurde ich nochmal vom Sonographie-Guru, dem genannten Arzt von oben, untersucht, der sein anfänglich lächelndes Gesicht entgleiten ließ und kundtat, dass es keine Zyste sei. Ich fragte also, was es denn sonst sein könne und bekam als Antwort sowas wie: Mspfgrlupsetolampfstor. Wie bitte? Ein gutartiger oder bösartiger Tumor? Achso, na dann nehme ich Erstes!

Ich fuhr also, wie vom Sonographisten befohlen, direkt zu meinem Gyn, überreichte ihm den Befund und wartete auf weitere Instruktionen. Bla bla bla, irgendwas von krasser Verdachtsdiagnose, bla bla bla, machen wir eine Stanzbiopsie, bla bla bla, Robert-Koch-Krankenhaus, bla bla bla, Termin am Freitag.

Wo ist die fifty-fifty-chance geblieben?

Nach ein paar Tagen normalen Alltags erreichte ich also nach einer Rundfahrt mit dem Bus über Wald und Wiesen, das Krankenhaus, wo sich mir der Chefarzt der Frauenklinik und des Brustzentrums so unglaublich nett vorstellte. Darüber hinaus hat er sich immens viel Zeit genommen, was mich beeindruckte und einschüchterte zugleich.

Er eröffnete die Untersuchung und Biopsie mit einem Gespräch und den Worten, dass der Kollege – und hier meint er den Gesichtsveränderer vom Montag – eine schon sehr heftige Verdachtsdiagnose stellte, die er flink in eine fifty-fifty-chance übersetzte. Bei mir kam alles bösartige sowieso irgendwie nicht an… wie war das? Man hört, was man hören will!

Tastuntersuchung. Ultraschall. Biopsie. Irgendwie hatte der Doktor etwas sanft Verrücktes an sich. Gesprächig war er. Gefällt mir. Das meldete ich positiv zurück. Er sei allgemein so und hier sei es auch angebracht, meinte er. Ich finde das gut. Drei Mal gestanzt, drei Proben und ein „sie machen das total entspannt“ und ich durfte mich wieder anziehen.

Währenddessen sagte er, dass es erfahrungsgemäß Krebs sei. Und ich fragte folglich, wo denn die fifty-fifty-Chance geblieben ist. Bla bla bla… Was haben sie für eine Körbchengröße? Gerade aufgrund der Schwellung rechts, C, scherzte ich. Muharharhar! Und schon saßen wir uns wieder gegenüber und er laberte mich über evtl. weiteren Verlauf zu.

OP und Chemo, Mittwoch wird der Befund da sein. Aha? – dachte ich mir und schon standen wir im Vorzimmer zur Blockierung von Terminen für die OP. Nächste Woche? Ich will nach Sevilla… was medizinisch wohl unbedenklich, jedoch psychisch fraglich sei. Aha? Wovon redet er bitte? Pfft! Wird eh alles gut sein…

Klar wie Kloßbrühe!

Abends rekapitulierte ich nochmal alles was der Herr Dr. Chefarzt so sagte. Wieso schwenkte er von der Chance, dass es was Gutartiges ist, so schnell zu etwas, was sich echt nicht geil anhört? Ich habe ja nun mehr als nur einmal auf den Bildschirm gesehen, wenn mein Mops beleuchtet wurde. Ich dachte also: okay, schau ich mir mal Ultraschallbilder im Netz an.

Reines Interesse! Ich tippe ein: brustkrebs-info.de. Ahja… Zyste…Fibroadenom,…okay… Karzinom. Die Bilder hier, zeigten es mir eindeutig: Klar wie Kloßbrühe, dachte ich mir. Richte ich mich mal darauf ein. Mit diesen Bildern und den bisherigen Gesichtsentgleitern und Chancenwegradierern, ging es mir mit diesen Gedanken am Samstag schon ziemlich schlecht. In meinem Kopf drehte es sich. Aber noch nicht so richtig wissend: um was eigentlich?

Ich warnte alle meine Freunde und nahen Verwandten, dass die Geschichte wohl doch so ziemlich Scheiße ausgehen wird. Aber ich tat das nicht aus einer anfänglichen Depression, Schwarzmalerei oder eines negativen Denkens heraus… sondern lediglich als Schadensbegrenzung für eventuelle dramatischen Schocks in meinem Umfeld. Ich fing schon an zu akzeptieren, wo es eigentlich noch nichts gab. Und das war auch gut so.

Haut mich jetzt nicht um. Achso, doch so schlimm?

Ich wollte schon am Sonntag auf Arbeit soweit alles für eine kurze Abwesenheit vorbereiten. So für 2 Monate, dachte ich. Beschloss dann aber es doch erst Montag zu machen… Dienstag gibt es ja auch noch. Meine Chefin und meinen Chef habe ich auch schon einmal darauf vorbereitet, kurz weg zu sein, beteuerte aber ganz positiv, dass es schon nichts sein wird. Ich meldete mich für die Teamsitzung am Mittwoch vorsorglich ab und bereitete die Akten für die kurze Vertretung vor.

Ich saß also am Mittwoch, den 22. April, um 10:30 Uhr, immer noch mit ziemlich gelb-blau-lila-farbenen Mops, im Besprechungszimmer meines Gyns, als er mir sagte, dass er erst mal so heftig gegen die Heizung getreten sei, als er die Diagnose las, so dass er sie überprüfen lassen müsse, ob sie noch funktioniert. Wieso denn? Was denn? Brustkrebs, ja, okay… Ist doch keine Todesdiagnose mehr. Pffft, was soll‘s… Haut mich jetzt nicht um. Habe mich darauf eingestellt.

Als er mir dann aber sagte, dass ich so 4 bis 6 Monate erst einmal krankgeschrieben sein werde, fing bei mir langsam an der Groschen zu fallen: Achso, doch so schlimm? Die Reise nach Sevilla war dann hinfällig… das Karussell voller Beratungsgespräche und OPs setzte mit schützenfestähnlicher Melodie zur Fahrt an!

 


 

 Selbstuntersuchung der Brust: Ich empfehle dir, stets deine Brust monatlich wenige Tage nach Beginn deiner Regelblutung selbst abzutasten. Es kann nie schaden. Erfahrungen zeigen, dass sich mit ca. 60 % die häufigsten Brustveränderungen im oberen äußeren Quadranten der Brust, nahe der Achselhöhle finden. Diesen Bereich solltest du daher besonders sorgfältig abtasten.

Aber denke daran: nicht jeder tastbare Knoten ist Brustkrebs, sondern meistens gutartig. Denn durch die zyklischen Veränderungen durch Hormone, kann es mal zu einem Ungleichgewicht kommen und dadurch zu Knotenbildung, Einziehen von Brustwarzen, Austreten von Flüssigkeit und/oder Entzündungen kommen. Wenn du einen Knoten ertastest, lass ihn zur Klärung von deinem Frauenarzt überprüfen.

Hier findest du Informationen und eine Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brust.

4 comments
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4 coments

  • 3. August 2015 at 15:32

    Du bist ne unglaubliche Powerlady… Ich finde es toll, dass Du Deine Erfahrungen so ehrlich teilst :-* und noch in so cooler Optik!

    • Ulrike
      3. August 2015 at 15:45

      Hey Suze,

      danke dir, das bedeutet mir sehr viel. Sicherlich geht mir auch ein wenig die Muffe mich so nackig zu machen. Aber ist ja halt ein Tagebuch… und so ist es ja nun auch mal :-)! Ich hoffe, dass ich durch meine Offenheit nach und nach auch zur Aufklärung beitragen sowie das Bewusstsein für Brustkrebs, inkl. der Behandlung und Forschung, sensibilisieren kann …

  • Barbara Milou
    4. August 2015 at 9:20

    Wow, finde ich auch sehr mutig und toll, wie und was du schreibst! Versinke immer wie in einen Roman bei dir. Dann fällt mir ein, dass es doch echt ist…
    Powerlady trifft es sehr gut. 🙂 Knutschgrüße!

    • Ulrike
      4. August 2015 at 9:47

      Frau Milou,

      danke dir…vielleicht wäre es eine Überlegung wert, umzusatteln und mich als Schriftstellerin auszuprobieren! 😉
      Schmatzadrücker zurück!

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    Hi, ich bin Ulrike...

    ...erst war da die Diagnose: Brustkrebs! Ich nenne es mit etwas Galgenhumor: Mopstollwut!

    Das Lachen bleibt. Es ist die beste Medizin. Lach mit mir mit!

    Was die Mopstollwut mit mir macht und ich mit ihr... Das könnt ihr in meinem Blog lesen!