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F***, Familie, Fehler, Foto, Film, Festival, Fiffi und Furzfrisur… äh, Kurzfrisur… quatsch… Glatze!
13. September 2015|Ich schreibe dir...

F***, Familie, Fehler, Foto, Film, Festival, Fiffi und Furzfrisur… äh, Kurzfrisur… quatsch… Glatze!

F***, Familie, Fehler, Foto, Film, Festival, Fiffi und Furzfrisur… äh, Kurzfrisur… quatsch… Glatze!

Eine Odyssee

 

Eigentlich sollte dieser Tagebucheintrag der dritte Teil der Achterbahnfahrt werden. Aber als ich so schrieb und schrieb, merkte ich: das ist viel, das ist heftig… das wird ein ganz eigenes Ding. Und ich entschuldige mich schon einmal im Voraus, dass es ein paar mehr Worte sind, als in den letzten Einträgen. Nimm dir also lieber etwas Zeit: I C H  M U S S T E  E I N F A C H  A L L E S  R E I N Q U E T S C H E N!

Falls du die Achterbahnfahrt verpasst hast: hier kommst du zu Teil I Alles neu macht der Mai! und Teil II Erste Vorbereitungen für die Chemo – Hurrai!.

Und ich wollte hier gerade auch schon schreiben, dass dann erst einmal die Ruhe vor dem Sturm kam. Aber irgendwie war es nie so richtig ruhig. Ich hatte das Gefühl, dass alle einen noch einmal sehen wollten, bevor die Chemo anfängt. Das war krass!

Also, eins nach dem anderen:

 

Auf den Hund gekommen…

Einen Tag nach der Port-OP, sind dann Hanna, Julia und ich nach Celle gefahren, um uns einen Welpen anzuschauen. Eine französische Bulldogge. Ich bin bisher nicht so der mega Hundefan gewesen, schwor mir aber… wenn denn, dann muss es so einer sein.

Ich hatte mich vor wenigen Jahren mal in so eine Knutschkugel verliebt. Ich habe es nie vergessen können. Deshalb dachte ich mir: wenn nicht jetzt, wann dann! Und da Hanna ebenso mit diesem süßen Hundevieh geliebäugelt hatte, wollten wir uns ein Geschwisterpärchen holen. Y E A H !

Dumm nur, dass der Herr Chemo-Onkel davon eher abriet. Wegen dem zu hohen Infektionsrisiko und all dem Mist. Und vielleicht sollte ich mich doch echt erst einmal auf mich selbst konzentrieren. Verdammt! Was habe ich geflennt.

Keinen Partner, keine Kinder, nicht einmal einen Hund kann ich haben… N A  T O L L !

Dann werde ich eben Patentante. Und da war er… Hanna hatte sich verliebt. Ich hielt mich zunächst bedeckt. Zu sehr schmerzte es noch, dass ich keinen dieser kleinen Pupser mit zu mir nach Hause nehmen durfte. Doch erst einmal galt es: noch ein paar Nächte drüber schlafen.

 

Familienbesuch Nummer 1

2015-05-17-11-40-42Kaddie, mein Schwesterherz, war ein ganzes Wochenende zu Besuch. Auch wenn ich etwas körperlich eingeschränkt war, fühlte sich das Wochenende so an, als wäre nichts passiert.

Wir frühstückten lecker im 11A, spazierten durch die Lindener Straßen mit ihren bunten Läden, schlürften Latte Macchiato in meiner „Lieblings-BAR“, aßen saulecker im „Fischers“ und tranken Havanna Cola in meiner Küche.

Wir chillten nach einem langen Spaziergang über die Wasserkunst im „Strandleben“, lauschten einem wundervollem Konzert im „Das Ladencafé Linden Nord“, aßen sehr fein im „Kleines Museum“ und rundeten das Wochenende mit einem gemeinsamen Couch-Tatort ab.

Montag in aller Frühe war meine Schwester dann wieder weg. Weiter im Text, es galt irgendwie keine Zeit zu verlieren. Wochenende vorbei, Wochenstart.

 

Von Fiffis und Wuffis… und plötzlich fühlte ich mich einsam.

Ich ging mit Hanna am Perückenladen vorbei und glotzte mir die hässlichen Fiffis im Schaufenster an. Als wenn das nicht alles schon grässlich genug ist… nein danke! Ich hatte genug. Ich will keine Perücke. P F F F T ! Okay okay, kann man sich ja mal anschauen… erst einmal einen Termin ausgemacht und dann mal sehen.

Anschließend fuhren wir wieder gemeinsam nach Celle, um uns noch einmal den Welpen anzuschauen und ihn nach korrektem Tierarztcheck tatsächlich mitzunehmen. Wo die Liebe hinfällt. Ist doch klar. Ich drückte die Daumen, dass alles passt. Tat es! Uwe gehört jetzt zu unserer Familie. Ich wurde Patentante. S C H N I E F ! Das ist so schön…

2015-05-18-18-22-18

W H Ä M! Das hat dann gesessen. Am nächsten Tag stand ich voller Panik auf. Ich heulte. Verlustangst machte sich breit. Hanna hatte jetzt Uwe und musste sich um ihn kümmern, wo bleibe ich jetzt da? Ich bin allein. Total allein. Das Herzrasen ist auch immer noch nicht weg. Das Herz stolperte auch ab und zu. Ich werde sterben. Allein. Niemand hier. Allein. Allein in der Wohnung. Keiner würde es mitbekommen. Allein.

Und dann hatte ich doch tatsächlich nach knapp 1,5 Jahren meine Tage wieder bekommen. S U P I ! Denn -falls du den Tagebucheintrag Schmerzteufel Endometriose noch nicht gelesen hast – bei mir wurde aufgrund einer Hormontherapie der ganze Mist ja eigentlich lahmgelegt.

Und ich sollte damit sofort aufhören, als das mit der Verdachtsdiagnose Brustkrebs im Raum stand. Es kam zwar nur so ein Möchtegern-Furzkram, aber die Hormone machten wahrscheinlich trotzdem richtig Remmidemmi. Niiiicht witzig!

 

Mein Herz: Mir war klar, dass es psychisch sein kann…

A A A H ! Völlig fertig mit den Nerven, aber wieder einigermaßen runtergekommen von dem Verlustangst-Trip, saß ich dann bei meinem Hausarzt.

Wegen dem Herzrasen und so. Seit der Port-OP letzte Woche hatte ich das. Und ab und zu stolperte es, das machte mir Angst. Zu schnell sei es in der Tat, sagte er. Die Werte aus dem Krankenhaus sollte ich ihm schicken… um zu checken, ob die Schilddrüse klar geht. Er meldet sich dann morgen bei mir telefonisch, sagte er.

Dann hieß es erst einmal sich wieder zu sammeln. Ich fühlte mich einsam… und vor allem mit dieser Krankheit allein. E I N A T M E N, A U S A T M E N !

Am nächsten Tag fuhren Hanna und ich inklusive Hund nach Bremen zu einer Freundin und Fotografin. Mir ging es etwas besser. Aber ich fühlte mich saukomisch. Mein Herz raste. Und irgendwie konnte ich mich nicht so richtig auf das bevorstehende Fotoshooting freuen. Mein Hausarzt rief an und gab Entwarnung. Die Werte waren super.

Sollte ich bis Ende der Woche immer noch diesen Zustand des Herzrasens und -stolperns verspüren, dann bekäme ich irgendeine Pille. Alles klar – wahrscheinlich zur Beruhigung. Logisch man – purer Stress gerade alles. Ich konnte mir nichts mehr vormachen. Ich habe eine Klatsche weg… Dolle Wolle!

 

Fotoshoot mit Kathrin

Also: Anti-Panik-Globuli rein, Käffchen geschlürft, Sekt auf und los ging es. K N I P S ! K N I P S ! Noch schnell ein paar Fotos bevor die Chemo losging. Etwas rumgeniert und dann aufgewärmt, kamen dann doch echt voll die Knaller an Fotos bei rum.

In der Fotogalerie kannst du dir ein paar visuelle Leckerli anschauen… geschossen von der süßesten Versuchung namens Kathrin Truhart (www.kathrin-truhart.de) aus Bremen, die mit der Kamera in der Hand alles um sich herum vergisst. Aber in diesem Fall wird es ihr schwer gefallen sein meine Hackfresse auszublenden… H I H I !

Direkt zu den Ergebnissen des FOTOSHOOTs bitte >>hier<< klicken.

 

…und was wenn der Genetik-Test positiv ist?

So langsam war ich dann doch etwas durch den Wind. Wo anfänglich noch Zahnrad für Zahnrad ineinander zu greifen schienen, drohte mir alles durch die Finger zu entrinnen. Bin ich doch eher ein Strukturtyp à la Post-Its in allen möglichen Farben und Formen, Kalender-Termine säuberlich aufschreiben und mit Markern einfärben, alles im Blick…

Herzrasen! Ich muss mich kümmern…

Zunächst einmal ging ich am Tag nach dem Fotoshoot zu meinem Gyn. Er sollte sich den Port anschauen. Keiner sagte, ob sich irgendwer irgendwie etwas anschauen sollte. Hä? Gut, egal, mache ich das halt einfach irgendwie selbst, dachte ich mir.

Zudem wollte ich mit meinem Gyn über etwas sprechen, was ich bisher vor mich hinschob. Ich wollte mich nicht damit beschäftigen – irgendwie. N Ö ! Aber mit wem sollte ich erst einmal darüber reden, wenn nicht mit ihm. Ich fühlte mich etwas verloren.

Angelina Jolie, Angelina Jolie… ständig hörte ich nur noch diesen Namen. Jo, kenne ich. Ja, kann sein, dass da was war. Ich bin jetzt aber nicht so ein Promi-Medien-Verfolger. A H A ? Okay, ihr Test auf die BRCA-Mutation war positiv. BRCA = breast cancer, englisch für Brustkrebs, wird in BRCA1 und BRCA2 unterteilt. Für weitere Details siehe >>hier<<. Deshalb hatte sie sich vorsorglich das Brustdrüsengewebe sowie die Eierstöcke und Eileiter entfernen lassen. Einen Artikel dazu findest du >>hier<<.

 

Das BRCA-Festival

W O W ! Als hätte man nicht schon genug Scheiße am Hacken. Kurz mal über das BRCA-Thema gelesen, heißt es also:

BRCA1 und BRCA2 sind zwei Gene, die mit erblichem Brust- und Eierstockkrebs in Verbindung gebracht werden. Und ich lass das mit den ganzen Prozenten jetzt hier einmal weg. Denn das verwirrt bei einem kurzen Überblick ungemein.

Normale BRCA1- und BRCA2-Gene unterdrücken anscheinend das Wachstum von Tumoren. Sie sind sogenannte Kontrollmechanismen für das Zellwachstum und die Zellteilung. BRCA1 liegt auf dem langen Arm von Chromosomen 17 und BRCA2 auf Chromosomen 13 – wen es interessiert.

Durch eine Mutation können die normalen Funktionen der BRCA1- und BRCA2-Gene beeinträchtigt werden. Und so können Zellen aufgrund einer Veränderung im BRCA1 oder BRCA2-Gen unkontrolliert wachsen. Dadurch kann Krebs entstehen. Und es heißt immer kann, muss nicht.

Frauen mit einer Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen haben also deshalb ein erhöhtes Risiko, Brust und/oder Eierstockkrebs zu bekommen. Und die Medizin und Forschung haben hierbei noch nicht einmal alle genetischen Ursachen entdeckt.

Weiß man dann also, dass man eine genetische Mutation hat, dann kann man an einem engmaschigen standardisierten Früherkennungsprogramm (FEP) teilnehmen, was über die bekannten bildgebenden Verfahren (Sonografie, Mammografie und MRT) läuft.

Und es gibt eben die prophylaktische Möglichkeit: Der chirurgische Eingriff. Die beidseitige Entfernung des gesunden Brustdrüsengewebes (Mastektomie) senkt das Brustkrebsrisiko um bis zu 95 %. U I U I U I ! Und die vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke/Eileiter (Salpingoovarektomie) senkt die Gefahr eines Eierstockkrebses um ebenfalls rund 95 %.

Darüber hinaus heißt es sogar, dass so eine Ovarektomie nicht nur das Eierstockkrebsrisiko, sondern auch das Brustkrebs-Risiko einer genetisch belasteten Frau um bis zu 50 % verringern kann. K R A S S O M A T!

Ich las etwas weiter: Diese Ovarektomie und so, wird den Trägerinnen der Genmutation empfohlen, weil bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs eine Chance auf Heilung sehr gering ist und es keine zuverlässige Methoden zur Früherkennung gibt.

Und dann hier: Die Entfernung der Eierstöcke führt zur Menopause. Das kann dann zu den bekannten Nebenwirkungen der Hormonumstellung wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Abnahme der Knochendichte führen. O H  M A N  E Y!

G O I L ! Es wird also nie langweilig. Dieser ganze Frauenkram geht mir echt auf den Sack. Endometriose (siehe Schmerzteufel Endometriose), Brustkrebs, Menstruationsquälerei, Schmerzenmist, Hormonkacke, Kinder-Bio-Uhr-Schwachsinn… und und und!

Diese Operationen werden dann also BRCA-Genmutationsträgerinnen empfohlen. Noch ein 6er im Lotto, würde ich sagen. Möpse neu – okay, wenn denn dann mit Silikon und so. Nicht mein Ding, absolut nicht… finde ich voll Scheiße, aber wenn es sein muss, dann muss es sein.

Und naja, das mit den Eierstöcken… Gut, das mit dem Thema Kinderwunsch hatten wir ja schon im Tagebucheintrag Gedanken über Kinderwunsch, Fertilität, Kryokonservierung, Kosten und Psychostress. Wenn ich also eine dieser Genmutationsträgerin bin, hat sich das wohl irgendwie komplett erledigt – es sei denn, es geschieht noch ein Wunder.

Und nicht zu vergessen, ich bin ja schon an Brustkrebs erkrankt. Da war doch was – ich benötigte sehr schnell das Ergebnis. Im letzten Eintrag Erste Vorbereitungen für die Chemo – Hurrai!hatte ich erzählt, dass der Chemo-Onkel in der Medizinischen Hochschule anrufen wollte, um ein fixeres Ergebnis zu erhalten. Wegen der Chemotherapie und so. Wenn bei mir der BRCA-Test positiv ist, bekomme ich das Carboplatin zum Paclitaxel (Taxol) dazu. Ordentlich dem Mistvieh das Licht ausknipsen.

Ich schaltete dann erst einmal wieder ab und verschob die Beschäftigung mit diesem Thema auf einen späteren – und vor allem relevanten – Zeitpunkt. Sorry, aber es geht nicht alles auf einmal. P F F F T ! Und außerdem: die Untersuchung läuft ja noch. Und vielleicht hat man ja auch mal etwas Glück im Unglück.

 

Was für ganz oben rum: Kosmetik… und dann nochmal zu den Fiffis

Okay Okay… ich rief dann erst einmal bei der Tumorgenetik an. Fuck! AB. Gut, dann kümmerte ich mich eben auch mal zwischendurch um etwas Schönes: Kosmetikkurs! Hatte gehört, der soll mega toll sein. Schau mal >>hier<< bei der DKMS LIFE, look good feel better.

Na mal schauen. Ich bin ja eher der Typ N A T U R  P U R! Aber warum nicht. Kann nicht schaden. Ich glaube niemand würde sich so etwas entgehen lassen, wenn es heißt: kostenlose Produkte! H Ö H Ö ! Termin ging klar: 2ter Juni.

Und dann ab zum Perückenladen. Termin zur Anprobe… A H J A A A ! Mir wurde erklärt, dass die Kassen so ca. 300 € für eine Kunsthaarperücke und bis zu 600 € für eine Perücke aus Echthaar übernehmen. Letzteres bekommt man in guter Qualität aber erst so ab 1.000 €. Nochmal A H J A A A !

Sehe ich so aus als könne ich Dukaten scheißen? Ich ließ mir also Perücken zeigen, wo mein Eigenanteil bei ca. 35 € liegt. Das setzt sich aus 10 € gesetzlicher Zuzahlung und 25 € Eigenbeteiligung zusammen. Das könnte ich noch verknusen. Da fällt mir ein, ich muss noch den Antrag auf Zuzahlungsbefreiung bei der Krankenkasse stellen. Mist.

Alter Schwede, die Ausbeute ließ zu wünschen übrig! Das sind also die Fiffis, die ich mir so einigermaßen leisten kann – dachte ich mir mit erstaunten Augen! Boah, also mein erstes Bauchgefühl war bisher immer das Beste. Ich möchte keine Perücke, sagte ich schnell.

IMG-20150521-WA0014 KopieIch ließ mich schließlich jedoch überreden, einige verschiedene Haarbiester anzuprobieren und entschied mich dann für die Bestellung so einer Kurzhaarperücke, mit der ich 20 Jahre älter aussehe.

Um es schon einmal vorweg zu nehmen: Als sie mich anriefen, dass die Perücke da ist, ließ ich mir immens viel Zeit, da vorbei zu gehen. Letztendlich schaffte ich es dann endlich Wochen später vorbei zu fahren, um sie jedoch nicht abzuholen, sondern Bescheid zu geben, dass ich sie nicht möchte. So eine Perücke ist irgendwie nicht meins…

Trotz all der ganzen Termine und dem Stress und so, ist dann dieses Herzrasen und -stolpern weggegangen. Gott sei Dank. Das machte mich kirre. Und weiter im Text. Die von der Tumorgenetik riefen mich zurück: Sie wissen nichts von einer Beschleunigung des Testergebnisses.

W A A A S? Wenn man nicht alles alleine macht. Ich rief also in der Chemo-Praxis an, die sich der Sache annehmen und nächsten Dienstag bei mir melden wollten. Merci!

Schnauze voll. Ich muss hier mal raus.

 

Familienbesuch Nummer 2

2015-05-25-12-24-46Und es bot sich die beste Gelegenheit: Die ganze Zeit hatte ich es vor mir hingeschoben meine Mutter zu besuchen. Ich bin dann also spontan am Samstag, mega früh (07:41), voll aufgeregt und tierisch müde mit der Bahn ins Saarland gegurkt… und seit wenigen Jahren wohnt da auch mein Bruderherz.

Ich muss ganz ehrlich gestehen: ich bin fast wahnsinnig geworden in der Bahn. Ich hatte so große Angst mich mit irgendetwas anzustecken – der Bengel neben mir rotzte die ganze Zeit in sein Taschentuch. W U Ä C H ! Seitdem mir der Chemo-Onkel sagte, dass so Ansteckungen nicht so pralle wären, mutierte ich fast zum Zwangsneurotiker und desinfizierte mir ständig die Pfoten.

Im Saarland angekommen, gab es Kaffee und Kuchen, ein Mittagsschläfchen und abends einen 60sten Geburtstag (der Vater der Freundin meines Bruders, hehe). Shake hands, Kippe hier, Kippe da, gutes Essen, Plauderei und Sauferei. Rum Cola – mein Freund! Lecker.2015-05-23-22-09-43

Und dann kam er mit seiner neuen Maschine, seinem Motorrad, um die Ecke gedüst. Ich freute mich wie ein Teenager auf das erste Date. M E I N  B R U D E R! Fratzenzieherei, und wieder Plauderei und weitere Sauferei. Wunderbar!

Am nächsten Tag kam mein Bruder mit seiner Freundin zum Frühstück auf dem Balkon vorbei. Bruderherzchen hatte Latte Macchiato to go in der Hand. Yeah! Er weiß, dass ich danach süchtig bin. Er ist großartig. Ich liebe meinen Bruder.2015-05-24-14-28-37

Anschließend wurde ich überredet mit ihm eine Motorradtour zu machen. Ich zog Julias Kluft an und ab ging es… Angst hatte ich keine. Ich vertraue meinem Bruder blind. Es war aufregend, spannend und einfach der Wahnsinn. Der Wind um die Ohren und die PS unterm Hintern, die schrägen Kurven, die vorbeifliegenden Bäume… H A M M E R !2015-05-25-11-04-26

Wieder Kaffee und Kuchen und alles was das Herz begehrt – zum Abschluss des Tages wurde gegrillt und ins offene Feuer gestarrt. Herrlich. Um dann am nächsten Morgen wieder zu futtern: Frühstück bei meinem Bruder Tobias und seiner Freundin.

Alle anderen sind dann vollgefuttert anderen Sachen nachgegangen, so dass ich mit meinem Bruder einen kleinen Spaziergang durch den Ort machen und ein Eis essen konnte. Es fühlte sich alles so großartig an.

Später packte ich dann schon wieder meine Sachen und gurkte nach Hause. Und zack, hatte ich am nächsten Tag wieder einen Durchhänger… einen kleinen Depri. Weil ich wieder allein war?

 

1. Chemo, Friseur, Kosmetikseminar und Chemo die 2te

M N O A H ! Und die Chemo-Praxis rief dann auch noch an, der Befund bzgl. des Genetik-Tests war immer noch nicht da. Aber der Termin für die erste Chemo, also Donnerstag, der 28ste Mai, sollte bestehen bleiben. Es sollte schon einmal mit Paclitaxel begonnen werden – lange warten ist hier nicht.

Zur Blutabnahme sollte ich ein Tag davor, also an dem Mittwoch, kommen. Und das war echt nicht geil, da ich völlig unvorbereitet in dem großen Raum landete, wo mehrere Frauen mit Perücken, Glatzen oder Mützen auf ihren Stühlen saßen und sich vergiften ließen. Es war einfach horrible!

Und hinzu kam: meine Venen waren echt im Eimer. Nach dem zweiten Versuch, hat die eine Onkologie-Schwester es schon aufgegeben und es an eine andere medizinische Fachangestellte abgegeben. Da hat es dann geklappt… Prima! Jawoll!

Es konnte am nächsten Tag also losgehen mit der Chemo. Die Medikamente, also die Zytostatika, die in einer Chemotherapie eingesetzt werden, sollen das Wachstum von Krebszellen und also auch eventuell vorhandene Mikrometastasen zerstören.

Und dieses Wirkprinzip beeinflusst natürlich auch das sich schnell teilende gesunde Gewebe wie Schleimhäute, blutbildendes Knochenmark und Haarwurzeln. Deshalb fallen auch die Haare aus. Aber das gesunde Gewebe wird in der Regel nicht dauerhaft geschädigt. Die Haare kommen wieder. J A P !

Die Krebszellen verfügen jedoch nicht über diese Reparaturfähigkeit. Deshalb sterben diese durch die Chemotherapie ab. Nieder mit dem Krebs. F U C K  Y O U !

Ich musste voll früh aufstehen, um 6 Uhr, um dann um 8 Uhr vom Taxi abgeholt zu werden. Hanna hatte mich begleitet. Gott sei Dank! Denn ich war schon etwas aufgeregt und hatte keine Lust da ewig alleine rumzusitzen.

2015-05-28-08-40-53Ich hatte sofort einen tollen Platz gefunden und lernte dort zwei wunderbare Damen kennen, die sehr tolle Kurzhaarfrisuren trugen. Sie machten einen unglaublich tollen Eindruck. Wir verstanden uns auf Anhieb. Das motivierte mich so sehr, dass ich am liebsten noch am selben Tag zum Friseur flitzen wollte…

Dann ging es los. Portnadel rein und zack, Blutabnahme über den Port lief prima. Er war rückläufig.. Dann muss nicht ständig die Vene zerstochen werden, dachte ich mir. Dann bekam ich erst einmal für ca. 10 Minuten alles an Medikamenten gegen sämtliche Allergien und hatte danach eine halbe Stunde Pause. Und ich ging eine Zigarette rauchen. Ich weiß, ich weiß… Schnauze!

Das Taxol (Paclitaxel) wurde dann angeschlossen. Zudem bekam ich 2 große Kühlpacks, einen für die Hände und einen für die Füße. Völlig eingepackt saß ich also 1 Stunde mit tierisch kalten Füßen und Händen auf dem Stuhl und ließ mir das Gift durch den Körper schicken. Boah, tat diese Kälte weh.

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Ansonsten ist der erste Schuss unproblematisch verlaufen. Ich fühlte mich ganz normal. Das ganze Geputze der Wohnung die Tage zuvor sowie der fette Einkauf waren schlichtweg unnötig gewesen. Ich konnte Kaffee trinken, mir Essen kochen und sonst alles tun. Als wäre nichts passiert.

An den nächsten Tagen wachte ich immer sehr früh auf und wälzte mich hin und her. Ich hatte sehr rote Wangen und Hitze im Gesicht. Am Hals verspürte ich einen Gnubbel. Wohl ein Lymphknoten, der ein wenig gestresst war. Nach zwei Tagen war der aber auch wieder weg. PHU!

Friseur-Collage

Schließlich ging ich dann am 1sten Juni zum Friseur. Ich konnte es nicht abwarten. Was soll’s, lieber schon einmal kürzen, bevor die lange Matte irgendwo in meiner Bude rumliegt. Schnipp, schnapp, Haare ab…

Am nächsten Tag besuchte ich (mit einer Mörder-Migräne) dann noch das Kosmetikseminar der DKMS LIFE und erfreute mich nicht nur der wundervollen Produkte, sondern auch darüber, was man mit Schminkutensilien alles so anstellen kann. Das werde ich gut gebrauchen können. Wer möchte schon gern ohne Augenbrauen außer Haus gehen?

Ich legte mich danach erst einmal mit pochendem Kopf ins Bett und schreckte wenige Minuten später panisch hoch, weil ich auf einmal Angst hatte nicht mehr aufzuwachen. Mein Körper waberte, das Herz raste. Jetzt reicht es aber: Ich habe keinen Bock auf dieser Panikscheiße hängen zu bleiben, verdammt!

Die restliche Zeit, bis mein Papa und mein Bruder nach Hannover kamen, erledigte ich wieder tausende von Sachen wie das Nachhaken bzgl. der Zuzahlungsbefreiung und des Genetik-Tests, traf mich mit Freunden zum Kaffee, kochte ohne Ende Spargel, sittete Uwe, ließ mir eine Beißschiene beim Zahnarzt machen, putzte und reparierte meine Fahrräder und glotzte tausend Folgen irgendwelcher Serien. Ein ganz normales Leben halt! Und ging zur 2ten Chemo.

 

Familienbesuch Nummer 3 und Chemo die 3te

DSC09559Am 10ten Juni, späten Nachmittag, holte ich dann meinen Papa vom Bahnhof ab. Ich hatte mich so tierisch darauf gefreut. Wir gingen abends im „Fischers“ Fajitas essen und rollten mit unseren dicken Bäuchen ins Bett.

Nach der Chemo am nächsten Tag, trafen wir uns mit Freunden von mir, schlenderten durch die Stadt und pflanzten uns abends wieder ins „Fischers“ – da mein Bruder dann auch dazu kam und ebenfalls unbedingt die leckeren Fajitas essen wollte. Gesagt, Getan! Und dann zeigte ich den beiden Buben noch das hiesige limmern.

Am Wochenende ließen wir es uns weiterhin so richtig gut gehen: Frühstücken, Radtour, lecker Essen-Gehen, Kaffee trinken, Freunde treffen, im Garten abhängen, Rad und Vespa reparieren… Lachen, Mist labern, Saufen, Streiten. Ein ganz normales und sehr schönes Familienwochenende!

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Tobias fuhr mit seiner Maschine dann schon am Sonntag nach Hause – er musste schließlich wieder am nächsten Tag arbeiten. Ich brachte Papa am Montag zum Hauptbahnhof. Bevor er nach Hause fuhr kehrten wir noch bei Saturn ein, weil er mir noch einen supadupa Rasierapparat kaufte. Und dann hieß es: W I N K E W I N K E !

Und so langsam hatte ich immer mehr Büschel Haare zwischen den Fingern. Beim bloßen Schütteln des Kopfes rieselte es so als würde über mir jemand seinen Badteppich ausklopfen. Ekelhaft. P F U I !

 

Fehler? Technischer Fehler?

Am selben Tag telefonierte ich mit Mutti. Sie war bei ihrem Gynäkologen. Wollte sich nochmal checken lassen. Und dann das: Ein Knoten in der linken Brust. F U C K  O F F ! Ich wollte schon kurz durchdrehen. Wie bequasselten aber beide, dass es schon gut gehen wird. Erst einmal das Ergebnis abwarten.

Ich lenkte mich am nächsten Tag mit Uwe-Sitting tagsüber und mit Essen kochen abends mit Peterson, einem Freund, ab. Am darauffolgenden Tag begann ich wieder ein bisschen was zu regeln. Wo bleibt der Befund des Genetik-Tests verdammt nochmal?

Mittwoch, den 17ten Juni, dann endlich das Ergebnis des Genetik-Tests. Nachdem ich wieder überall rumtelefoniert hatte, da es doch dann endlich irgendwie vorlag, musste es erst einmal zu allen möglichen Ärzten gefaxt werden, bis mich mein Gynäkologe anrief, um mir mitzuteilen, dass das Ergebnis N E G A T I V ! ist. Negativ, Hallo?, negativ!

Jappadappadoo! Ich habe sofort Hanna angerufen und wie ein Schlosshund geheult – und sie gleich mit. Auch wenn ich tierisch cool mit dem ganzen Mist umgegangen bin, diese ganze Warterei und so hat mich echt platt gemacht.

Ich konnte es gar nicht fassen… all die ganzen angespannten letzten Wochen fielen auf einmal ab und strömten literweise aus meinen Tränenkanälen.

Ich überlegte mehrmals, ob ich es all meinen Freunden und Verwandten schon sage oder lieber auf das Stück Papier, wo es schwarz auf weiß steht, warten sollte. Dachte dann aber: wenn mein Arzt das vorliegen hatte, wird das schon stimmen.

T I C K E R  T I C K E R! Ich ließ alle an mein Glück im Unglück teilhaben. Es freute sich gefühlt die halbe Welt mit mir. Mein Papa meinte sogar ich soll Lotto spielen. Gesagt, getan! Das erste Mal in meinem Leben spielte ich Lotto. Ich will Kohle für meine lebenslange Weltreise, das ist ja wohl das Mindeste.

Ich schlief voll schlecht. Meine Ohren juckten und glühten. Heute musste ich nicht zur Chemo – nach 3 Mal Taxol, immer 1 Woche Pause. Jucheee! Ich traf mehrere Leute zum Kaffee, holte mein Rad aus der Fahrradwerkstatt, ging mit Hanna und Uwe spazieren und telefonierte dann wieder mit Mutti.

K R E B S! Es ist schon wieder der fucking scheiß Krebs in ihrer Brust. Doch diesmal in der anderen, der bisher noch nicht betroffenen Brust. Ich war total im Arsch. Ich konnte nicht mehr. Ich verstand gar nichts mehr. Irgendwie ist doch echt alles blöd. Uns fehlten die Worte. Es ging nichts mehr…

Was das jetzt genau bedeutet, mussten wir noch abwarten. Wieder eine Chemo? Das war die Frage… doch Mutti stellte sich die gar nicht mehr. Sie will einfach nicht noch einmal den ganzen Mist machen. Das haute mich um…

Ich schlief total mies. Quälte mich dann aber trotzdem irgendwie aus dem Bett und frühstückte, als mein Gyn anrief und meinte, dass ich mal den Dr. Auber von der MHH anrufen soll. Es gäbe neue Erkenntnisse bzgl. des Genetik-Befunds. A H A ?

Dann bin ich ja mal gespannt. Denn mal ganz ehrlich: ich fragte mich, wenn der doofe Krebs schon durch meine ganze Familie mütterlicherseits durch stolzierte, musste da doch irgendwas anderes sein, wovon sich dieses Mistvieh anlocken ließ. Ich hatte also die Chance den Herrn Dr. Auber das zu fragen.

Brauchte ich aber nicht. Der Befund, der vor zwei Tagen rausgegangen ist, hätte nicht rausgehen dürfen. Es gab einen technischen Fehler. Der BRCA-Genetik-Test war doch positiv… H A H A H A ! Ich lachte! Und lachte…

Wieder völlig gefasst bot ich der riesengroßen Scheiße meine Stirn! Beratungstermin am nächsten Donnerstag. Danke und Merci! Ich telefonierte mit ein paar Leuten, schnappte mir meinen Rasierapparat und ging zu Hanna

 

FAZIT: Es ist zum Haare raufen

Ich war komplett I M  A R S C H… und die fucking Haarbüschel, die bei jedem Windstoß dem Hintermann auf dem Fußgängerweg ins Gesicht flogen, gingen mir auch tierisch auf die Nüsse. Schluss damit! Ab damit… ich will nicht mehr.

Ich trug gerade mal 2,5 Wochen einen Kurzhaarschnitt, den ich aufgrund des Haarausfalls dann schnellstens mit Bravour zu einer Glatze rasierte (danke Papa für den mega geilen Rasierer!)… Und die Glatze gefällt mir bei weitem viel besser! Ernsthaft… Ich fühlte mich wieder etwas wohler in meiner Haut.

Deshalb möchte ich dir gern ein kleines Video zeigen, was den Titel: „Es ist zum Haare raufen“ trägt… viel Spaß beim Anschauen und Lachen! Direkt zum Video bitte hier entlang: >>klick, klick<<

 

Mich würde interessieren!

Hattest du schon einmal davon gehört, dass es sowas wie das BRCA-Gen gibt?

Bist du sogar auch davon betroffen? Wie war das bei dir?

Wie bist du mit dem Thema Haarausfall umgegangen bzw. was würdest du tun, wenn du weißt, dass dir bald die Haare ausfallen?

 


Familiärer Brust- und Eierstockkrebs

Wenn in deiner Familie Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs häufiger vorkommt, hast du die Möglichkeit, dich erst einmal beraten und später ggf. testen zu lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die Beratung, Gendiagnostik und Früherkennung.

Weitere Informationen zum Thema BRCA-Mutation findest du beispielsweise auf den Seiten mamazone e.V. und BRCA Netzwerk e.V..

 

DKMS LIFE: look good feel better – Das Kosmetikseminar für Krebspatientinnen

In einem rund zweistündigen Programm erhältst du in dem Seminar Tipps zur Gesichtspflege und zum Schminken, sowie zum Kaschieren der äußerlichen Folgen der Therapie – wie z.B. bei Augenbrauen- und Wimpernverlust. Das Seminar sowie die Produkte sind kostenlos. Und es macht tierisch Spaß!

Schau mal bei der DKMS LIFE vorbei, dort kannst du dich auch anmelden.

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Hi, ich bin Ulrike...

...erst war da die Diagnose: Brustkrebs! Ich nenne es mit etwas Galgenhumor: Mopstollwut!

Das Lachen bleibt. Es ist die beste Medizin. Lach mit mir mit!

Was die Mopstollwut mit mir macht und ich mit ihr... Das könnt ihr in meinem Blog lesen!