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Gedanken über Kinderwunsch, Fertilität, Kryokonservierung, Kosten und Psychostress
11. August 2015|Ich schreibe dir...

Gedanken über Kinderwunsch, Fertilität, Kryokonservierung, Kosten und Psychostress

Gedanken über Kinderwunsch, Fertilität, Kryokonservierung, Kosten und Psychostress

Alles ging karussellartig schnell! Teil II

 

In Teil I habe ich darüber geschieben, dass ich noch am selben Tag der Bekanntgabe der Diagnose zur OP-Besprechung im Krankenhaus bei Herrn Dr. Chefarzt war und genauer erfahren habe, was für einen Brustkrebs ich habe und was das im Einzelnen für mich bedeutet.

Doch bevor ich für die brusterhaltende OP im Krankenhaus einchecken durfte, stand erst einmal noch ein ganz anderes Thema auf dem Düsenjetschnellzugplan. Mein Gyn fragte am Mittwoch, als ich die Diagnose erhalten hatte, dann noch: „Worüber müssen wir denn noch reden?“. „Weiß nicht, über die Chemo?“, fragte ich. Woraufhin er sagte „Ja, das auch… aber wie sieht es mit dem Kinderwunsch aus?“

Kinderwunsch? Wieso?

Durch die Follikel(Eibläschen)-schädigende Wirkung der Chemotherapie entsteht ein Risiko für eine vorübergehende oder dauerhafte Unfruchtbarkeit. Tataaaa!

Bei den meisten Frauen, die noch vor den Wechseljahren stehen, hört schon während der Chemo die Regelblutung (Amenorrhö) auf und kehrt häufig auch nach Beendigung der Therapie nicht wieder.

Mal abgesehen davon, dass ich mich dann also praktisch in den Wechseljahren befinden würde – was so ja schon ziemlich ätzend ist, man jedoch medikamentös gegen die Beschwerden behandeln könnte (natürlich mit den ach so heißgeliebten Hormonpräparaten) – galt es sich also zu überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, später trotzdem ein gesundes Kind zu bekommen.

Klasse! Ein Thema ganz nach meinem Geschmack…

Flink hat mein Gyn mir für den Freitag einen Termin im Reproduktionszentrum der Medizinischen Hochschule in Hannover organisiert. Mich mit diesem Thema beschäftigen zu müssen, machte mich klirre.

So saß ich also der Frau Dr. Oberärztin gegenüber, die mir zuallererst klar machte, dass in meinem Fall durch die Chemotherapie 40-70% der Fruchtbarkeit (Fertilität) defekt sein wird. Oder irgendwie so… mein Kopf war voll. Ich hatte echt gerade jetzt noch weniger Lust auf dieses Thema!

Ich hatte mir also daraus errechnet, dass ich lediglich eine 30%ige Chance hätte, dass sich meine Eierstöcke wieder aktivieren könnten, um auf natürlichen Weg Kinder zu bekommen. So hatte ich mir das zumindest positiv einreden wollen. Frau Dr. Oberärztin meinte hierzu, dass man aber auch ca. 2 Jahre nach der Therapie erst wieder anfangen sollte zu versuchen schwanger zu werden. Aha? Rechne, rechne…

Es gab für mich 3 Möglichkeiten – Spannung, Spiel oder Spaß!

Also erhielt ich eine Präsentation verschiedenster Methoden im Schnellverfahren, was gemacht werden kann, um den (zukünftigen) Kinderwunsch nicht komplett streichen zu müssen. Und im Grunde gibt es zurzeit 3 Möglichkeiten:

Ich hätte mir die Zeit nehmen können, mich mal eben schnell mit ein paar Hammer-Hormonen zu pumpen zu lassen, um da hoffentlich ca. 10 Eier entnehmen lassen zu können. Da ich jedoch keinen Partner habe, und somit die Eier unbefruchtet (unfertilisierte Oozyten) eingefroren werden müssten, ist die Chance, dass die Eier das überleben sehr gering. Mit befruchteten Eiern sähe es schon etwas anders aus… wie das klingt, komisch…

Zudem liegt die zukünftige Schwangerschaftschance hier nur bei ca. 10-15%, wenn ich mich nicht verhört habe. So war das schon einmal keine gute Möglichkeit für mich. Und mit Fremdsperma? Na ich weiß ja nicht…

Eine andere Variante wäre die, dass ich ein Stück vom Eierstock (Ovarialgewebe) entnehmen und lagern lassen hätte können, bis dieser später wieder in die Bauchdecke eingepflanzt wird. Auch hier müsste man hoffen, dass sich dieser Eierstockfetzen sich wieder aktiviert und sich zudem auch hoffentlich keine Metastasen darin befinden würden. Dann wäre ohnehin alles für die Katz, dachte ich.

Und bei dem Gedanken an jede weitere OP, hier Bauchspiegelung, kriege ich die Krätze.

Dann kann man sich beispielsweise sogar tatsächlich während der Chemotherapie monatlich ein Medikament (GnRH-Agonisten) spritzen , welches die Eierstöcke quasi in einen Tiefschlaf, ähnlich dem Zustand während der Wechseljahre, versetzt. Wechseljahre, Wechseljahre, Wechseljahre… überall!

Die Wirksamkeit ist zwar noch nicht abschließend bewiesen, aber nach ersten Untersuchungen wird wohl von einem fruchtbarkeitsschützenden Effekt ausgegangen. Toooooll!

Und das alles kostet was… die Spritze, Medikamente hier und da, Entnahme von Eiern oder von Eierstockgewebe, Lagerung (Kryokonservierung), Befruchtung…

Ich bin nicht so der Kinderwunschtyp… aber!

Mein Kopf kreiste. Vor allem war ich so was von wütend, dass man für Vieles selbst aufkommen müsste. Und dann könnte man quasi auch nur bis zum 40. Lebensjahr rumexperimentieren. Ätzend!

Ich war bisher nicht so der Typ, der das Gefühl entwickelte, unbedingt Kinder haben zu müssen. Aber natürlich besitze ich den tief versteckten sehnlichsten Wunsch irgendwann mal einen Mann kennenzulernen, der in mir dieses Gefühl weckt unbedingt ein Kind mit ihm haben zu wollen. Unabhängig wie alt ich bin und in welcher Situation ich stecke. Es sollte irgendwie alles stimmen… vor allem mit mir!

So ist festzustellen, dass die Ansicht, eine potentielle Infertilität wäre in Anbetracht einer lebensbedrohenden Erkrankung für die junge Frau weniger relevant, in dieser Form falsch ist. Ganz im Gegenteil, der erwartete Verlust der Fruchtbarkeit ist ähnlich belastend wie die Konfrontation mit der Krebserkrankung. Psychologische Aspekte von Fertilität und Krebserkrankungen, www.fertiprotekt.de

Bisher war die Beschäftigung mit dem Thema eher so eins von der schwierigen Sorte für mich und schob es deshalb immer auf die letzte Bank. Aber jetzt… jetzt wo einem die Entscheidung einfach durch so eine Erkrankung abgenommen wird, irgendwann, irgendwie auf natürlichem Wege Kinder bekommen zu können, wird mir ganz schlecht. Und sowas äußert sich bei mir in Wut…

Es ärgert mich tierisch und gefällt mir gar nicht!

Ich müsste mich also – dramatisch gesagt – in Schulden stürzen, in der Hoffnung mit ca. 37 Jahren anfangen zu können mich künstlich befruchten zu lassen. Wofür ich natürlich auch einen Partner benötigen würde – also wegen dem Sperma und so, ne. Hallo?

Ich müsste also auch noch einen Typen finden, der das alles mal eben so mitmachen würde – und das am besten auch noch, nachdem ich ihn gerade erst kennengelernt habe. So mit 38 Jahren vielleicht. Und mit 40 Jahren ist Schluss. Also alles schnell schnell, zack zack… Pffft!

Na dolle Wolle! Psychostress ohne Ende… und das, nachdem man sich von der Strapaze erholen und die ganze Nachsorge-Zeit relativ angstfrei überleben will. Man man man…

Mir hatte das gereicht. Wieder draußen angekommen, mit Infozetteln und Mobilnummer von der Fr. Dr. Oberärztin, setzte ich mich auf die Wiese und rauchte erst einmal eine und versuchte meinen Gyn, meine Mutter und meinen Vater zu erreichen. Natürlich ging gerade dann niemand an die Strippe.

Denn das Ätzende war zu dieser Zeit, dass wenn ich mich beispielsweise für eine Eierstocksteilentfernung entscheiden würde, sollte das bestenfalls im Rahmen der geplanten brustherhaltenden OP in der darauffolgenden Woche, am Dienstag, passieren.

Summa Summarum

Papa, ja, ich hatte ihn endlich am Telefon. Auf seine Worte gebe ich viel. Er versteht mich und sieht oftmals alles genau so realistisch und nüchtern wie ich. In Windeseile erzählte ich ihm meine Möglichkeiten. Er sollte mir seine Meinung dazu mitteilen.

Summa summarum sprach er das als Fazit aus, was ich als Bauchgefühl schon auf der Zunge zu liegen hatte: alles sein lassen, sich auf die Therapie und Gesundwerdung konzentrieren und sich auf die 30%-Chance, doch noch auf natürlichem Wege schwanger zu werden, vertrauen.

Ja, genau so wird es gemacht, sagte ich mir! Mir fiel ein Stein vom Herzen… erst einmal volle Konzentration auf meine Möpse! Aber eine Sache hatte ich bei dieser Entscheidung nicht bedacht, da sie irgendwie zu dieser Zeit nicht präsent war… Dazu aber dann in einem späteren Tagebucheintrag!

Mich würde interessieren!

Was würdest du in diesem Fall machen?

Oder wie hast du dich entschieden? Was waren die ausschlaggebenden Punkte für deine Entscheidung?

 


 

Weitere Information zum Thema fertilitätserhaltende Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapie findest du z.B. auf der Webpräsenz des Netzwerks fertiPROTEKT. Aber am besten informieren und beraten dich die Ärzte der Reproduktionsmedizin in deiner Nähe.

Und hier kannst du dir auf der Seite der Tagesschau ein kurzes Interview mit Michael von Wolff (Gynäkologe und Reproduktionsmediziner in Bern), Gründer und medizinischer Koordinator des Netzwerks fertiPROTEKT, anschauen.

8 comments
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8 coments

  • 11. August 2015 at 20:14

    Wie ich Dir gerade schon gesagt habe … krasser Artikel mal wieder, ich glaube und hoffe Deine Offenheit tut vielen Leidensgenossinnen gut und spendet Kraft. Wie ich mich entscheiden würde, das habe ich mich schon damals gefragt, als Du es musstest … Ich glaube ich würde genauso entscheiden wie Du. Aber letztendlich kann man das wohl nur beurteilen, wenn man selbst schon in der Situation gesteckt hat.

    • Ulrike
      11. August 2015 at 20:54

      …danke dir für deine ehrliche Antwort. Und es fühlt sich gut an, dass du quasi genauso entscheiden würdest (obwohl ich das tatsächlich eher nicht vermutet hätte)… eben weil man sich damit nicht so allein fühlt oder gar vielleicht als bescheuert angesehen wird, nichts „gesichert“ zu haben…

      Danke dir überhaupt und sowieso!

  • Sarah
    12. August 2015 at 9:33

    Hochachtung vor deiner Offenheit und deinem Talent, das Thema ehrlich und kurzweilig rüber zubringen. Ich lese jeden Artikel mit großer Begeisterung!
    Was das Thema „Kinderwunsch“ anbelangt: Ich würde es ganz genauso machen wie du. Keiner gibt dir die Sicherheit und Garantie, dass es mit der Einlagerung, Einpflanzung und künstlicher Befruchtung klappt und du schwanger wirst.
    Volle Konzentration auf die Möpse, alles andere wird sich zeigen.
    Denn: kommt Zeit – kommt Liebe! Und Liebe ist viel wichtiger als alles andere. Wichtiger als Stress, Druck und Torschlusspanik. Und oft kommt sie unverhofft 😉
    Dicker Knutscher!

    • Ulrike
      12. August 2015 at 10:05

      Hallo Sarah,

      vielen lieben Dank für deine Antwort. Genauso so ist es ja… keine Garantie, aber garantiert viel Stress – das war mein Kriterium.
      Schön, dass dir meine Tagebucheinträge/Artikel gefallen. Das freut mich sehr…

      Drücker!

  • Nadine
    27. Dezember 2015 at 22:04

    Ich habe mich wie Du entschieden – trotz langjährigem Partner. Einfach schnell mit der Therapie beginnen.
    Bin übrigens auch triple negativ u finde Deinen Blog großartig.

    • Ulrike
      27. Dezember 2015 at 22:12

      Hey Nadine,

      das kann ich total nachvollziehen. Und außerdem, dachte ich, wenns so sein soll, dann aktivieren sich die Eierstöcke schon wieder. ..wenn nicht, dann halt nicht.
      Willkommen im Club der TNBCs 😉 und Tschaka!
      Für dich alles Liebe und Gute!!!

      Drücker, Ulrike

  • Julia
    8. Februar 2016 at 2:00

    Hey Ulrike,
    ich bin letztes Jahr mit 33 an einem triple negativ Tumor erkrankt. In meinem Aufklärungsgespräch bezüglich Chemo und Nebenwirkungen wurde auch das Thema Kinderwunsch und Familiengründung angesprochen und mir wurden die selben Optionen wie dir dargelegt. Ich bin auch nicht so der „Kinderwunschtyp“ 😉 … Außerdem wollte ich so schnell wie möglich mit der Therapie beginnen und absolut keine Zeit verlieren. Mein möglicher, aber ziemlich unwahrscheinlicher, zukünftiger Kinderwunsch war in diesem Moment einfach nicht wichtig für mich. Nur leben! Ich habe mich dann halt für die Hormonspritze entschieden, die die Eierstöcke in einen Tiefschlaf und mich somit in den Wechsel versetzt hat. Ich dachte mir, schaden kann’s ja (hoffentlich) nicht wirklich und der Beginn der Chemotherapie wird dadurch auch nicht verzögert… Und ja, Wechselbeschwerden sind lästig, aber auszuhalten… Meine letzte Chemo ist jetzt ziemlich genau 3 Monate her und ich glaube immer noch nicht, dass sich bei mir noch ein großartiger Kinderwunsch auftun wird aber insgeheim hoffe ich, dass mein Menstruationszyklus wieder kommt. Die Regel war mir zwar oft lästig aber irgendwie gehört sie halt dazu. 😉 Es würde für mich ein Stück wiederkehrende Normalität bedeuten.
    Ich finde es wirklich toll und mutig von dir, so offen mit dem Thema umzugehen!! Ich mag deine Art zu Schreiben! 🙂 Ich wünsch dir alles Liebe und Gute!!! Knutsch und Umarmung!

    • Ulrike
      8. Februar 2016 at 9:39

      Hey Julia,

      danke dir für deinen Kommentar. Das ist ja so ziemlich ähnlich wie bei mir. So von den Gedankengängen… und ich hatte auch vor 3 Monaten meine letzte Chemo. Und auch ohne diese Spritze befinde ich mich in den Wechseljahren. Geil ist das wahrlich nicht. Ist ja alles lahmgelegt geworden durch die Chemo… mal schauen wann da wie was wiederkommt. Ich muss ja dann noch schauen wie dann auch noch die Endometriose wiederkommt (auch kein Geschenk…habe ich unter „Exkurs“ etwas dazu geschrieben).
      Und naja…auch wenn ich ebenso keine „Kinderwunschtyp“ bin, wünsche ich mir manchmal ich wäre einer. Denn gerade jetzt frage ich mich schon manchmal, wie es bspw. so mit 60 Jahren ist, so ganz ohne Kinder…
      Nungut… was lange darüber nachdenken, ist nicht so. Hehe…

      Ich wünsche dir alles alles Gute auf den Weg deiner Genesung! Fühle dich ebenso geknutscht und umarmt!!! ❤

      LG, Ulrike

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    Hi, ich bin Ulrike...

    ...erst war da die Diagnose: Brustkrebs! Ich nenne es mit etwas Galgenhumor: Mopstollwut!

    Das Lachen bleibt. Es ist die beste Medizin. Lach mit mir mit!

    Was die Mopstollwut mit mir macht und ich mit ihr... Das könnt ihr in meinem Blog lesen!