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Das Krankenhaus – Ein Kino mit Filmen verschiedener Genre. Eintritt frei!
17. August 2015|Ich schreibe dir...

Das Krankenhaus – Ein Kino mit Filmen verschiedener Genre. Eintritt frei!

Das Krankenhaus – Ein Kino mit Filmen verschiedener Genre. Eintritt frei!

Alles ging karussellartig schnell! Teil III

 

In Teil I habe ich darüber geschrieben, was die Diagnose Mopstollwut, mit den ganzen dazugehörigen medizinischen Begriffen und Abkürzungen in so einem Befund, bedeutet.

Und in Teil II erzählte ich dann darüber, warum das Thema Kinderwunsch auf einmal so wichtig wurde.

Das war ganz schön viel auf einmal. Vor lauter Stress kaufte ich mir statt dem Spanienurlaub erst einmal ein gemütliches Sofa, auf dem ich während meiner Therapie so richtig abgammeln wollte.

 

Einmal einchecken… und Logenplatz, bitte!

Am Montag, den 27sten April – man bedenke, wir befinden uns immer noch im Monat April: denn erst am 22sten diesen Monats habe ich die Diagnose erhalten – checkte ich dann im Robert-Koch-Krankenhaus ein. Um 8 Uhr in der gottverdammten Frühe.

Personaldaten, andere Daten, Armbändchen – um nicht verwechselt zu werden -, Blutabnahme, EKG, Anästhesiegespräch und sonst irgendwelche Untersuchungen zur Aufnahme ins Krankenhaus und Vorbereitung auf die morgige OP, bis ich meinen Koffer vorerst im Zimmer des Pflegepersonals abstellen konnte…

In so einer Besucherecke durfte ich dann auch schon einmal zu Mittag im essen – wuäch, einfach nur widerlich. Keine Details!

Um 14 Uhr wurde ich dann von einem Taxi wieder in die Stadt gefahren, zur Nuklearmedizin, einer Gemeinschaftspraxis am Künstlerhaus… klingt dufte, oder? Hier wurde mir, nach ausführlicher Aufklärung durch einen Arzt, eine radioaktive Substanz um die Brustwarze bzw. um den Tumor injiziert. Mäh!

Mein armer Mops. Den musste ich dann eine Weile massieren, um die Durchblutung zu fördern.

Die Substanz reicherte sich dann im Wächterlymphknoten innerhalb 1 Stunde an – er wurde also markiert bzw. für die OP sichtbar gemacht. Ca. 5-10 Minuten und dann noch einmal ca. 1 Stunde nach der Injektion lag ich unter der Gammakamera. Die Substanz wurde über die Nieren wieder ausgeschieden. Deshalb musste ich auch viel Trinken und natürlich Pieseln ohne Ende.

Zurück im Krankenhaus angekommen, habe ich erst einmal eine geraucht… und mir in der Caféteria Frikadellen mit Kartoffelsalat und eine Cola sowie einen Latte Macciato gekauft.

Überleben werde ich auf jeden Fall schon einmal – der Latte Macchiato schmeckt lecker…

 

LMAA – eine Dokumentation!

Dienstag, also einen Tag nach dem Einchecken, war dann die OP für ca. 14 Uhr angesetzt… A L T E R! Darüber maulte ich natürlich lauthals rum, weil ich so lange nichts essen durfte. Ich fragte also das Pflegepersonal, ob ich vorher noch in Ruhe duschen kann – was mir bejaht worden ist – und versuchte mir zu überlegen wie ich die Zeit rumkriegen soll. Wenige Minuten später aber kam eine Tante vorbei, um mir eine LMAA (Leck-Mich-Am-Arsch-Pille) zu geben.

Es sollte sofort losgehen, irgendjemand ist wohl abgesprungen oder so. Die Frau flitzte mit einer Hektik durch die Gegend und versuchte mich damit anzustecken… da ich noch fragte, ob ich vorher zumindest nochmal kacken – wenn schon nicht mehr duschen – gehen könnte (denn so ohne Essen und Zigaretten-Torpedo kam da noch nix). Nope… keine Zeit! Na prima…

Mit sexy Klamotten an und samt Bett, ging es so ca. 9 Uhr über den Fahrstuhl Richtung OP-Saal … wo mich zwei nette Herren in Empfang nahmen, so mega Teddybären, die für den Transport vom Bett über so eine seitwärts fahrende Rampe auf den OP-Tisch zuständig waren. Ich war noch erstaunlich fit, laberte sie zu, da ich es eher albern fand mich daraufzulegen und rüberfahren zu lassen… haha!

Im Vorbereitungszimmer der Anästhesie wunderten sich die Frauen, dass ich noch so bei Verstand war… nunja! Normalerweise würden dann die Leute auch nicht mitkriegen, wenn sie im Arm danebenstechen und die Kochsalzlösung sonst wo hinläuft und eine dicke Beule sowie mega Schmerzen verursacht. AUA!

Also mehrten sie erst mal mit den ganzen anderen Instrumenten rum, fragten mich wie ich heiße, auf welcher Seite ich operiert werde, ich zukünftig darauf achten soll, dass nur noch über die linke Seite gestochen und Blutdruck gemessen werden kann etc. pp., und packten mir endlich das Einschlafzeug über die Nase. Dann konnten sie an mir rumpieken wie sie wollten. Schnibbeldischnipp…

 

Total stoned – Die grüne Überraschung! Ein Film von…

A L T E R  S C H W E D E! War ich high!

Bliblablubb… es schien alles hervorragend gelaufen zu sein. Wann ich wie zurück in mein Zimmer gelangte und welchen Schmadder ich laberte – kein Plan! Echt… Mein erster mir real anfühlender Gedanke war: L A T T E  MA C C H I A T O! Ich will einen Latte Macchiato

Hanna, meine Liebe, wollte mir sofort einen besorgen, aber das Pflegepersonal wollte dafür noch kein okay geben. Sorry an dieser Stelle nochmal… aber ich habe die wohl so zugetextet, dass sie mir zumindest erlaubten, ein paar kleine und langsame Schlucke Wasser zu nehmen, um zu schauen, dass ich mich weder verschlucke, noch, dass mir schlecht wird. Dann könne ich b a l d einen Latte Macchiato trinken, sagten sie. Ja ne, is klar.

Ich schickte Hanna mit einem Fingerzeig in die Cafeteria, süppelte derweil an meinem Wasser und kippte dann – da es mit dem Wasser ja funktioniere – so gierig den Latte hinter, als hätte ich als Kind das erste Stück Schoki angeknabbert.

Und was oben rein geht musste ja unten wieder raus… das Pflegepersonal sagte mir, dass aufgrund des während der Operation gespritzten blauen Kontrastmittels, ich nicht nur grünlich im Gesicht bin, sondern ich mich auch nicht wundern sollte, wenn der Urin grün ist. G R Ü N? Da war es aus! Flink hatte ich Hanna als Kamerafrau erkoren…

Mit blau-grünem und mehreren Pflastern bestücktem Mops und der daraus führenden Drainage inna Hand sowie mit flatterndem Kittel – welchen Hanna hinten zuhielt – ging es quer über den Flur die ganze Station entlang bis ans Ende zur Toilette…

Und an dieser Stelle hätte ich dir gerne den überaus gelungen Kurzfilm zeigen wollen, bei dem ich mich im wahrsten Sinne des Wortes vor Lachen bepisst habe – und es heute noch mache. Aber habe es mir dann anders überlegt, da es vielleicht doch etwas zu viel des Guten sein könnte. Ein Foto sollte reichen.

 

Das lachende Zimmer 2207 – die Comedy-Show!

Ich war nicht nur einfach total stoned von der OP. Nein… ich lachte ununterbrochen aufgrund der witzigen Atmosphäre in unserem Zimmer.

Ich hatte das Glück in dieser Zeit mit zwei unglaublich lustigen Damen nebeneinander zu liegen und nicht nur um die Wette zu lachen, sondern auch um die Plätze 1 bis 3 zu schnarchen.

Und eine von diesen Damen hatte das Talent so zu quasseln, als säße man in einer 24-Stunden-Comedy-Show. Herrlich!

Ging es um das 4-Sterne-Essen, das spezielle Pflegepersonal oder einfach um den Stuhlgang der einfach nicht so wollte: sie hatte immer die passenden Sprüche parat.

Wenn mir etwas in dieser Zeit im Krankenhaus schmerzte, waren es meine Lachmuskeln, die mit einem fortwährenden Muskelkater zu kämpfen hatten.

Das lachende Zimmer war das Beste was mir passieren konnte. Warum ich eigentlich da war, rückte weit in den Hintergrund… denn wovor ich mich am meisten fürchtete, war es, dass ich allein als kleines Häufchen Elend auf meinem Bett sitzen und vor mich hinjammern würde, wie schrecklich doch alles sei.

Fürs Jammern blieb mir keine Zeit… der nächste Lachkrampf war stets zur Stelle. Dafür war ich sehr dankbar.

 

Nachrichten der Woche: Ergebnisse, Onko-Gespräch, Auschecken und Tschüß!

Die brusterhaltende OP (BET) verlief gut und komplikationsfrei. Die Lymphen waren frei. Der Tumor hatte noch nicht gestreut. Das war eine gute Nachricht. Eine sehr gute Nachricht.

Und alles andere, v.a. die Lunge und die Leber, waren Gott sei Dank unauffällig. Hierfür musste ich nämlich am Tag nach der OP ins CT (Computertomographie), um Thorax (Brustkorb) und Abdomen (Bauch) zu checken.

Warum? Das liegt daran, dass sich der Brustkrebs oftmals genau in diese Regionen ausbreiten bzw. metastasieren kann. Die Brustkrebszellen lösen sich aus dem Tumorverband in der Brust heraus und breiten sich über Blut- und Lymphbahnen im Körper aus. Das sind dann die sogenannten (Fern-)Metastasen.

Die Knochenszintigraphie, um Knochenmetastasen ausschließen zu können, sollte dann erst die darauffolgende Woche stattfinden. Auch die transthorakale Herzechokardiographie zeigte keine Auffälligkeiten.

Bei einem Gespräch bei der Psychoonkologin des Krankenhauses habe ich nebst einem Herzkissen – was alle Brustkrebspatienten bekommen – sowie einiges an Literatur (ähm, stapelweise!) erhalten – und haben gemeinsam einen Antrag auf einen Behindertenausweis gestellt (Feststellungsverfahren nach dem Neunten Buch Sozialgesetzbuch). Erste Details kannst du hier lesen. Spätestens aber in einen der folgenden Tagebucheinträge.

Und dann so Flyer von Selbsthilfegruppen… och nö! Ernsthaft jetzt?

 

Entlassungsbericht! Diagnose, die Zweite…

Im Entlassungsbericht dann die postoperative Diagnose: TNM pT1c Pn0 (0/3) L0 V0 G3

TNM (Tumorstaging) gibt Aussage über den Grad einer Krebserkrankung und beschreibt die Größe und die Ausdehnung des Tumors (T), den Befall angrenzender Lymphknoten (N) sowie den Metastasierungsgrad (M). Der Zusatz „p“ vor T bzw. N bedeutet postoperativ, also nach der Operation. Im Einzelnen übersetzt heißt meine postoperative Diagnose:

pT1c – Tumor 1 cm bis 2 cm in größter Ausdehnung, meiner war 1,6 cm zu dieser Zeit (zur Erinnerung, knapp 1,5 Wochen zuvor war er noch 1,3 cm)

pN0 – keine regionären Lymphknoten befallen

L0 – kein Nachweis einer Lymphgefäßinvasion (also keine Tumorzellen in Lymphgefäßen nachgewiesen)

V0 – kein Nachweis von Blutgefäßinvasion (also keine Tumorzellen in Blutgefäßen nachgewiesen)

Tumormarker: CA 15-3 17,0 U/ml

CA 15-3 (CA= cancer antigen) ist oft im Zusammenhang mit Brustkrebs erhöht und wird deshalb mitunter zur Verlaufskontrolle bei der Therapie von Brustkrebs eingesetzt. Allein ist so ein Tumormarker nicht aussagekräftig genug. Wieso das so ist, kannst du hier lesen.

 

Fazit und Vorschau! Ein Trailer…

Bei mir wurde also der Tumor noch vor der Chemotherapie raus operiert, da er primär – aufgrund der Größe – noch gut operabel war. Nach der Chemotherapie ist dann noch eine Strahlentherapie geplant.

Ich bekomme demzufolge eine adjuvante Therapie, um mögliche, bisher aber noch nicht nachweisbare Mikrometastasen aus meinem Körper zu scheuchen und dadurch hoffentlich die langfristigen Heilungsaussichten zu verbessern.

Neoadjuvante Therapien werden zur Reduktion der Tumormasse vor einem geplanten operativen Eingriff durchgeführt.

Wie genau die Behandlung bei mir aussehen wird, hatte mir die Onkologin des Krankenhauses schon einmal kurz in einem Gespräch dargestellt, sollte dann aber erst noch in der Tumorkonferenz (Tumorboard) besprochen und abgesegnet werden. Das kannst du in meinemTagebucheintrag „Erste Vorbereitung für die Chemo – Hurraui!“ lesen.

Was da noch so im Entlassungsbericht drin stand und ich irgendwie noch nicht so ganz checkte, war:

Die Patientin wird sich im Laufe der nächsten Wochen noch Tumorgenetisch das Vorhandensein einer BRCA-1/2 Mutation testen lassen.

Die genaue Bedeutung begriff ich erst dann, als ich mich mit dem Thema eingehender beschäftige. Und was das genau heißt und für mich bedeutet, wirst du ebenfalls in einem späteren Tagebucheintrag lesen können.

Ich wurde also am 1sten Mai entlassen… aber damit war es nicht getan. Darüber hinaus musste ich dann erst einmal noch andere Dinge erledigen und organisieren: Zur nukleramedizinischen Praxis, wegen der Knochenszintigraphie gehen; ein Krankenhaus finden, das mir einen Port-Katheder einsetzt; bei der mir empfohlenen Chemo-Praxis einen Termin zur Besprechung bekommen, um dort anschließend behandelt werden zu können; und und und…

 

Bisher lief ja alles prima. Was dann aber alles noch so kam…

…runter vom Karussell, rein in die Achterbahn!

 

Mich würde interessieren!

Niemand mag Krankenhausaufenthalte. Oftmals erlebt man diese als total ätzend bis mega schrecklich.

Aber hast du auch mal was Schönes erlebt?

 


 

Was in den wenigen Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt – also vor der ersten Chemo – alles passierte, kannst du in meinen nächsten Tagebucheinträgen lesen. Freu dich auf diese Achterbahnfahrt… Karussell fahren ist was für Kleinkinder!

Über die medizinischen Abkürzungen in den (histopathologischen) Befunden und zur Tumorklassifikation habe ich schon detaillierter in meinen Tagebucheintrag WTF, was heißt TNBC, G3, DCIS, BET, BI-RADS und ACR? geschrieben. Am Ende des Artikels findest du zudem auch eine Linkempfehlung dazu.

4 comments
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4 coments

  • Melanie
    18. August 2015 at 12:00

    Hallo Ulrike,

    ich war in vielen Krankenhäusern und es gab eigentlich immer etwas schönes zu erleben …

    … als Sechsjährlige nach dem Aufwachen aus dem Koma die Nachtschwester mit tränengefüllten Kinderaugen dazu nötigen mir gegen alle Anweisungen einen Joghurt zu geben. Den Johgurt essen (himmlisch!). Mit einer kleinen Glocke das Personal auf der Intensivstation in Bewegung halten :); Auf der Kinderstation nachts durch die Zimmer schleichen bis man gefangen wird …

    … Kartenspielen auf dem Flur; Pfleger die Ihre Pizza mit einem Teilen, weil das Klinikessen ungenießbar ist; Andere Eltern die für alle eine Kiste voll Fast-Food mitbringen; Das Notambulanzschild abschrauben, ins Zimmer schuggeln, zurück schmuggeln und wieder anschrauben, weils nicht in den Koffer passt; Mit anderen Jugendlichen nachts abhauen und was trinken gehen …

    … der Professor der jeden Abend vorbei kommt und eine Geschichte vorliest.

    Und vieles, vieles mehr. Es hat eben alles seine guten Seiten, wenn man hinsieht 🙂

    • Ulrike
      18. August 2015 at 13:06

      Haha…

      ja, genau so ist es! Alles hat seine guten Seiten. Es bringt nichts sich nur in die negativen Seiten einzuigeln… deshalb meine Devise: immer das Beste daraus machen, über den Tellerrand der Situation schauen.

      Danke für deine Geschichte, Melanie! Ich kann mir das lebhaft vorstellen… und ein bisschen „Mist“ bauen hat noch niemanden geschadet.

      Alles Gute dir und liebe Grüße,

      Ulrike

  • Nathalie
    18. August 2015 at 15:24

    Liebe Ulrike,
    Hut ab, Respekt und weiter so!
    Du strahlst mit deinen Beiträgen eine unheimlich positive Energie aus – ich bezweifle, dass ein Großteil der an Brustkrebs erkrankten Frauen dazu in der Lage sind – und genau deshalb sind positive Menschen wie du so wichtig!!!! Ich bin begeistert!

    • Ulrike
      18. August 2015 at 22:34

      Hey Nathalie,

      so soll es sein, immer positiv bleiben…vielen Dank… !

      Ich denke schon, dass es noch einige andere Betroffene gibt, die so positiv sind. Einigen bin ich zumindest schon in Facebook-Gruppen begegnet. Sie leben alle nur in anderen Städten und Dörfern… sie bestärkten mich ebenfalls, so damit umzugehen und verscheuchten meine Sorge vielleicht anderen damit vor den Kopf zu stoßen! Und dann ist nicht zu vergessen: wir sind in einem Alter, wo das jetzt nicht so häufig vorkommt…

      Liebe Grüße,

      Ulrike

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    Hi, ich bin Ulrike...

    ...erst war da die Diagnose: Brustkrebs! Ich nenne es mit etwas Galgenhumor: Mopstollwut!

    Das Lachen bleibt. Es ist die beste Medizin. Lach mit mir mit!

    Was die Mopstollwut mit mir macht und ich mit ihr... Das könnt ihr in meinem Blog lesen!