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Alles neu macht der Mai!
21. August 2015|Ich schreibe dir...

Alles neu macht der Mai!

Alles neu macht der Mai!

Die Achterbahn der Gefühle, Teil I

 

Ich wurde also am Freitag, den 1sten Mai, aus dem Diagnose-und-Krankenhaus-Karussell entlassen und durfte in die Achterbahn der Gefühle einsteigen.

Der 1ste Mai wird traditionell als „Tag der Arbeit“ in ganz Deutschland und als Anbruch der warmen Jahreszeit gefeiert. Doch nach Tanzen und Feiern war mir dann leider nicht zumute. Nicht weil ich keine Lust gehabt hätte, sondern weil ich doch ganz schön geschlaucht war. Ich hasse es, körperlich nicht ganz funktionstüchtig zu sein.

Durch die OP an meinem rechten Mops und meiner rechten Achsel konnte ich mich nur eingeschränkt bewegen. Doch ich versuchte, da drüber zu stehen, da dies ja nur von kurzer Dauer sein sollte. Wäre ja gelacht!

Am Tag nach der Entlassung, am Samstag, kamen erst mal ein paar Freunde bei mir vorbei, um mein neues Sofa aufzubauen. Das baute auch mich auf. Ich bin nicht allein.

 

Ich kann gerade nicht…

Ich wollte weiter machen im Text und nicht die Einladung eines Freundes zum Brunch verpassen. Es war mega schwül an diesem Sonntag und ich spazierte über die Gärten ins Nachbarstadtteil. Es war anstrengend.

Meine Laune kippte. Vor allem in dem Moment, als ich dort auf den Treppenstufen im Hinterhof saß und bemerkte: Ich kann gerade nicht wie sonst, es ist nicht wie sonst. Ich möchte wieder nach Hause.

Am nächsten Tag nahm ich also wieder meinen ganzen Mut zusammen und packte meine To-Do-Liste, meinen Kalender sowie mein Organisationstalent aus und fing an zu telefonieren.

Doof nur, dass das erste Telefonat sowas von nach hinten los ging.

 

Die angstanstauende Fahrt nach oben, bevor die Bahn rasend schnell nach unten düste…

Sicherlich ist man etwas sensibler geworden, aber dass jemand, der als Empfangsdame in einer gynäkologisch-onkologischen Praxis arbeitet, so dermaßen unsensibel ist, hätte ich mir echt nicht erträumen lassen. Ich ziehe ja ungern über Menschen her, versuche immer emphatisch zu sein und mir einzureden, dass die Person mir gegenüber einen schlechten Tag hat und es nicht so meint. A B E R…

Wenn ich das Telefon in die Hand nehme, in der Onko-Praxis anrufe, mich nett vorstelle und erzähle, dass ich gerade die Diagnose Brustkrebs bekommen habe und mir die Praxis für die nun nötige Chemotherapie empfohlen wurde, und ich deshalb gerne einen Besprechungstermin mit dem Chemo-Onkel hätte… D A N N ganz trocken ohne Umschweife als Antwort bekam: 9te Juni.

Die Uhrzeit habe ich nicht mehr mitbekommen. Ich brach zusammen und in Tränen aus. Ich versuchte den Heulkrampf runterzuschlucken und mich wieder einzukriegen. Währenddessen vernahm ich ein genervtes Schnaufen am anderen Ende der Leitung. What the Fuck! Wo habe ich da angerufen? Im Horrorkabinett für gefühlslose Tanten?

Ich entschuldigte mich dann auch noch für meinen „Aussetzer“, als ich wieder sprechen konnte und sagte der überaus „netten“ Dame, dass die Ärzte mir empfohlen haben, mit der Chemo spätestens in 2 bis 3 Wochen anzufangen – und nicht erst in 6 Wochen einen Termin zur Besprechung zu vereinbaren.

Dann sagte sie, dass sie mir eben keinen früheren Termin geben könne – ohne Erklärung oder so. Ich war sprachlos. Verständlich, oder? Aber irgendwie kam da auch erst einmal gar nix von ihrer Seite. Stille. Ist das normal? Bin ich bescheuert?

Ich fragte also noch einmal genauer, was ich denn jetzt machen sollte?

Kurz und knapp und völlig emotionslos bekam ich die Info, dass ich meine Befunde faxen könne und der Herr Dr. Chemo-Onkel sich dann melden würde. D A A A N K E E E, verdammt. Ich kann zwar nicht faxen, werde aber die Befunde sehr gern persönlich vorbei bringen. Ginge das? Ja! Ich wagte es dann noch zu fragen, ob sie ein Krankenhaus empfehlen kann, wo ich mir einen Port einsetzen lassen könnte. Sie sagte: machen alle Krankenhäuser. Danke! Und Tschüß!

 

Ich war auf 180!

Ich fuhr also erst einmal mit dem Rad zu meinem Zahnarzt, der einen Abdruck für meine neue Beißschiene machen sollte. Die hatte ich bitter nötig… sonst beiße ich noch wild um mich, dachte ich. Danach radelte ich direkt zur Onko-Praxis und stellte mich an den Empfangstresen. Na mal schauen, welche Dame kein Herz im Kartenblatt hat.

Aha…nee, war klar! Auch als ich mich bei ihr für vorhin entschuldigte – ich muss echt damit aufhören – sagte sie keinen Ton, sondern winkte einfach wortlos ab. Krass! Das ist mir echt zu viel. Ihre Kollegin nahm meine Befunde entgegen und war ebenfalls irgendwie wortkarg. Ich bin hier falsch, sowas von falsch…

Da musste erst einmal ein Latte Macchiato mit Hanna in einem meiner 3 Lieblingscafés um die Ecke her. Langsam kam ich wieder runter. Bla bla, schlechter Tag, bla bla, mit ihr hast du ja nicht wirklich was zu tun, bla bla. Okay. Abgehakt.

Nachdem Scheiß riss ich mich also wieder zusammen und wollte zumindest noch ein Krankenhaus anrufen. Boah, das tat gut… die Dame da im Friederikenstift, war sooo mega freundlich. Obwohl sie da in viel Stress versunken sind und eigentlich keinen Termin mehr hatten, versuchte sie ihr Bestmögliches, um mich noch irgendwo rein zu quetschen. D A S nenne ich Engagement und Mitgefühl. Denn nachdem ich einen Termin für den darauffolgenden Mittwoch bekam, sagte sie mir sogar noch „Alles Gute“.

 

Mein Tag war wieder gerettet!

Dann konnte ich auch noch – wieder voller Energie – bei der Humangenetik der medizinischen Hochschule anrufen, um in Erfahrung zu bringen, wie das denn jetzt mit dem Genetik-Test läuft. Und auch diese Dame war einfach nur freundlich, erklärte mir alles und beteuerte mir, noch heute alles in die Post zu stecken.

Na also, geht doch! Ich bin doch nicht bescheuert… das war E I N Tag in der Achterbahn der Gefühle.

Bis zur ersten Chemo waren es noch ein paar Tage bzw. Wochen. Phu!

 

Mich würde interessieren!

Man begegnet ja echt hier und da im Leben Menschen, die mit dem falschen Fuß aufgestanden sind. Passiert!

Aber hattest du auch mal eine Situation wo du dachtest, das kann echt nicht wahr sein?

Was hast du dann getan?

 


 

Die Art und Weise der Personen am Empfang einer Praxis ist D A S Aushängeschild.

In meiner Situation war es so, dass ich nur mit dieser einen Person nicht so richtig auf einen grünen Zweig kam. Ich habe ihr das persönlich schon einmal kurz rückgemeldet, nachdem ich eine weitere seltsame Situation mit ihr hatte. So richtig glaubte sie mich nicht zu verstehen. Ist sie sich vielleicht nicht im Klaren, wie sie rüberkommt?

Folglich habe auch schon einmal diskret nachgefragt, wie ich das am Besten rückmelde. Denn ich denke, jeder sollte auch die Chance erhalten, ein Feedback zu bekommen. Das Thema sei auch schon bekannt, so dann die Info. Na dann mal schauen, wie insgesamt mit solchem Hinweis und dieser Kritik umgegangen wird. Bisher hatte ich aber leider noch keine Lust dazu. Ich werde dann darüber berichten.

Ansonsten bin ich mit dem Personal (den Ärzten und Fachangestellen) sehr zufrieden. Und das zählt.

Ich habe mal nachgesehen, ob es im Netz so eine Art Checkliste gibt, die man sich anschauen kann, bevor eine Arztpraxis kontaktiert wird. Und tatsächlich, es gibt so etwas. Schau doch mal hier auf der Seite der Bundesärztekammer und der kassenärztlichen Bundesvereinigung „Patienten-Information“.

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Hi, ich bin Ulrike...

...erst war da die Diagnose: Brustkrebs! Ich nenne es mit etwas Galgenhumor: Mopstollwut!

Das Lachen bleibt. Es ist die beste Medizin. Lach mit mir mit!

Was die Mopstollwut mit mir macht und ich mit ihr... Das könnt ihr in meinem Blog lesen!