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Schmerzteufel: Endometriose
30. Juli 2015|Exkurs

Schmerzteufel: Endometriose

Schmerzteufel: Endometriose

Von Horror-Schmerzen, Zysten-Invasion, Not-OP und Hormontherapie

Bevor ich überhaupt mit der Brustkrebs-Früherkennung anfangen konnte, kam mir erst einmal was anderes dazwischen:

Die schlimmste Schmerzattacke aller Schmerzattacken

So Ende Januar 2014 bekam ich in der Nacht die schlimmste Schmerzattacke aller Schmerzattacken. Ich meine, ich halte ja echt was aus… aber wenn man vor Schmerzen schon kaltnass geschwitzt und gekrümmt sich in die Wanne hievt, heulend warmes Wasser über einen laufen lässt und kurz vor Ohnmacht steht sowie nahe dran ist den Notarzt zu rufen… war echt zum Ausrasten!

Ich habe meine Tage bekommen… prima! Ist ja nix Neues… und Schmerzen hatte ich wieder, seitdem ich die Pille Anfang 2010 wieder absetzte, mehr oder minder schwach bis stark in der Ausprägung. Kenne ich noch von früher. Meine Güte! Naja, und… beim Sex traten dann auf einmal auch Schmerzen auf und wurden von Zeit zu Zeit stärker. Mal abgesehen davon, dass ich ebenso beim Ballast abwerfen Schmerzen hatte. Jaaa, okay, das zusammen brachte mich dazu, einen Termin beim Gyn abzumachen. Mnoah, ey!

Ich glotzte ins Loch der Flinte des Jägers und begriff nix mehr

Palümm, und es zeichnete sich am linken Eierstock eine Zyste ab… wohl nur so groß (ca. 4,5cm), dass ich entscheiden könne, ob sie raus operiert werden soll oder nicht. Nach reflektierten Telefonaten mit einer Freundin, entschied ich mich letztendlich das Teil rausschnibbeln zu lassen – obwohl ich Operationen total verabscheue. Aber sowas von! Aber das ist ein anderes Thema…

Ich hatte dann also einen Termin zur Voruntersuchung im Krankenhaus. Ich war absolut angespannt und nicht mehr so locker drauf wie sonst. Ich haaasse sowas… ich habe immer so einen Schiss, dass irgendwas Schlimmes bei rumkommt.

Und kaum saß ich auf dem Untersuchungsstuhl mit einem E.T.-Finger in der Mumu, machte mir die schweigsame Ärztin schon etwas Sorgen. Linke Zyste 5,5cm, rechts 3,1cm…was? Rechts? Hä? Was‘n nu kaputt? Und warum popelt sie mit E.T. da so ewig rum? Flüssigkeit im Bauch? Und zack: ich verfalle in Kanickelstarre. Ich glotzte ins Loch der Flinte des Jägers und begriff nix mehr.

Sie gehe mal eben zum Chefarzt… und weg war sie, mit samt den Ultraschallbildern. Ich rang mit meinen Tränen. Ruuuhiiig bleiben! Nach gefühlten 3.000 Stunden zurückgekommen, eröffnete Sie mir, dass eine Not-OP (Laparoskopie = Bauchspiegelung) stattfinden soll, um zu schauen was da los ist.

Mein Bauchraum: ein reinstes Schlachtfeld!

Wuuuaaah! Ich lief wie auf Eiern zu einem Anästhesiegespräch zur nächsten Unterlagenunterschreiberei, da sie von der Gefahr sprachen, dass sich die olle Zyste auch abdrehen – unabhängig von den irren Schmerzen, auch den Eierstock mitreißen – könne. Ich kotzte im Strahl!

Am nächsten frühen unchristlichen Morgen ging es also mit sexy Netzschlüppi und blöden Sprüchen zur Angstabwehr ab in den OP-Saal. Mit bekloppten, weil durch die Narkose benebelt, Gelaber wieder raus ins Zimmer… begriff ich allmählich, als ich den aus meinem Bauch führenden Schlauch entdeckte, da ist was faul! Sollte das doch nur eine ambulante OP sein und ich heute noch entlassen werden…

Kurz: Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen… eine Nacht reinster Horror! Unterbesetztes Krankenhaus… kein Personal… kein Arzt… keiner sagt mir was. Ich drehe langsam durch. Nur Freunde und Familie beruhigten mich etwas. Am nächsten Vormittag endlich eine Ärztin: Wurde Ihnen schon gesagt, was gemacht wurde? Äh, Nein! Hallo? Kein Schwein war da…

Bla bla bla, Endometriose, bla bla bla, Zysten beidseitig entfernt (Ovarialcystenexstirpation), bla bla bla, Verwachsungen gelöst und Entzündungsherde weg gelasert (Adhäsiologie = Lösungen von Verwachsungen, Verödung von Endometrioseherden in der Abdominalhöhle = Bereich des Rumpfes zwischen Brustkorb und Becken) oder so, bla bla bla, Schwierigkeiten bzgl. Kinderwunsch, bla bla bla… Mein Bauchraum: ein reinstes Schlachtfeld!

„Es ist nach Brustkrebs die zweithäufigste Frauenkrankheit, jede zehnte Frau ist betroffen.“ Sarah, Emma, April 2011.

Hormontherapie, och nö ey!

Kommen sie bitte gleich zur Untersuchung – wir müssen die Nieren anschauen, die waren auch verklebt. Aha? Empfehlung: Hormontherapie mit Visanne und bei z.B. unerfülltem Kinderwunsch oder chronischer Schmerzsymptomatik die Vorstellung in einem Endometriosezentrum. Och nö, ey! Man!

Habe ich doch erst 2010 die Pille abgesetzt, weil sie mir irgendwie nur Ärger einbrachte, musste ich also nun wieder Hormone fressen. Ich war fertig mit den Nerven, wollte aber um keinen Preis diese Schmerzen wieder ertragen müssen. Vor allem wollte ich schon gar nicht in Kauf nehmen hin und wieder deshalb in einen OP-Saal geschoben zu werden. Gott bewahre!

Also nahm ich Visanne für ein Jahr (weil man es nicht länger nehmen darf, Knochenabbau usw.). C’est la vi! Nach einem Jahr, also im Februar 2015, wechselte ich erst einmal nach endlosen hin- und her überlegen wieder zur ach so heiß geliebten Pille, da so die Endometriose einigermaßen unter Schach gehalten werden kann.

Wie man es macht…

Ich ärgerte mich fast zu Tode bei dem Gedanken bis zu Menopause Hormone zu mir nehmen zu müssen. Jammerte alle Leute voll, dass ich doch damit nicht die bin, die ich eigentlich bin… ich bildete mir ein, dass ich durch die Pille stets auf einem gleichen Stimmungslevel zu sein scheine. Und außerdem hatte ich immer so starke Migräne. Das nervte irgendwie. Wie man es macht…

„Ich nutze meine Krankheit als Chance, um mich und meinen Körper kennen und lieben zu lernen.“ – Sarah, Emma, April 2011.

Ich habe mich immens über diese Diagnose geärgert, zumal sie eine Hormontherapie nach sich zog. Aber alles Jammern hilft nicht. Es ist dann doch alles gar nicht so schlimm… Kann ich ja jetzt nicht ändern. Endometriose ist eine gutartige chronische Erkrankung und soweit gut behandelbar. Ich habe mich darauf eingelassen und das klappt prima.

Keine Frau muss starke Schmerzen bis zur Ohnmacht erleiden

Ich kann nur sagen, keine Frau muss Schmerzen vor oder während ihrer Menstruation erleiden, schon gar nicht beim Sex usw. Und die Endometriose gilt als eine der wichtigsten Ursachen für weibliche Unfruchtbarkeit. Bei etwa 40 bis 60% der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, steckt eine Endometriose dahinter. Unerkannt und entsprechend unbehandelt kann diese Erkrankung bis zum Beginn der Wechseljahre fortschreiten.

Trau dich! Sprich deinen Frauenarzt auf deine Schmerzen an. Doch leider gibt es wohl noch viele Gynäkologen, die Frauen mit Regelschmerzen darum bitten sich zusammenzureißen und ziehen eine Endometriose erst gar nicht in Betracht. Endometriose ist weit verbreitet, bleibt aber häufig unerkannt. Deshalb haben Frauen oft einen langen Leidensweg bis zur Diagnose. Lass dich nicht abwimmeln!

Aber by the way: eine Endometriose kann nur durch einen Eingriff, also einer Bauchspiegelung diagnostiziert werden. Hat man dann aber die Gewissheit, gibt es viele Methoden mit einer Endometriose beschwerdefrei zu leben.

Ich habe die Endometriose aufgrund aktueller Tatsachen noch nicht so im Griff. Aber ich bleibe dran und werde darüber berichten.


Endometriose ist eine häufige, gutartige, oft schmerzhafte chronische Erkrankung von Frauen, bei der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle vorkommt. Auch diese verändert sich während des Menstruationszyklus. Endometriose kann eine Ursache von Unfruchtbarkeit bei Frauen sein. Die Ursache für die Entstehung einer Endometriose ist bisher noch ungeklärt. Es besteht noch keine Möglichkeit einer ursächlichen Behandlung oder einer Vorbeugung. Die Endometriose wird durch eine operative Entfernung oder Zerstörung der Herde sowie eine hormonelle Hemmung des Zyklus behandelt. So kann die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens der Endometriose verringert werden.

Was eine Endometriose genau ist, zeigt dir auch dieses kurze Video von ca. 5 Minuten auf Youtube.

Lies mal den Artikel in der Emma vom April 2011. Dort kannst du kurz zusammengefasst über Sarahs Leidensweg bis zur Diagnose und wie sie sich damit arrangiert hat lesen. Und wenn du dann auf „Weiterlesen“ klickst, findest du ein paar allgemeine und übersichtliche Hintergrundinfos zum Thema Endometriose.

Für mehr Details über die chronische Erkrankung Endometriose besuche mal die Seite von der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.

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Hi, ich bin Ulrike...

...erst war da die Diagnose: Brustkrebs! Ich nenne es mit etwas Galgenhumor: Mopstollwut!

Das Lachen bleibt. Es ist die beste Medizin. Lach mit mir mit!

Was die Mopstollwut mit mir macht und ich mit ihr... Das könnt ihr in meinem Blog lesen!