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WTF, was heißt TNBC, G3, DCIS, BET, BI-RADS und ACR?
9. August 2015|Ich schreibe dir...

WTF, was heißt TNBC, G3, DCIS, BET, BI-RADS und ACR?

WTF, was heißt TNBC, G3, DCIS, BET, BI-RADS und ACR?

Alles ging karusselartig schnell! Teil I

 

Die Diagnose, aber vor allem, dass ich länger als gedacht irgendwie „raus sein“ werde, hat erst mal gesessen. Aus dem Besprechungszimmer meines Gyns habe ich gleich Anki, einer Freundin und Kollegin, die in der Teamsitzung saß, via Whatsapp Bescheid gegeben. Das hatte ich mit ihr vorher schon abgesprochen, so dass ab sofort die Vertretung gewährleistet war und nicht jeder einzeln informiert werden musste. Vorbereitet hatte ich ja schon alles.

Und für viel mehr als Telefonieren mit meiner Mutter, Whatsapp-Nachrichten an bisher eingeweihte Freunde schreiben und einen kleinen Abstecher ins Büro von Julia machen, blieb mir fast keine Zeit. Denn gleich am selben Tag hatte ich den Besprechungstermin bei Herrn Dr. Chefarzt im Robert-Koch-Krankenhaus, um die OP in der nächsten Woche zu besprechen. Das Ding musste raus. So schnell wie möglich.

Nach etwas längerer Wartezeit, dann endlich die Erklärung laut pathologischem Gutachten, nachdem die Gewebsproben von der Stanzbiopsie des zu der Zeit 1 x 1,3 x 1,3 cm großen Tumors untersucht worden sind. Da stand dann:

invasiv-duktales Mammakarzinom (WHO, ICD-0-3: M8500/3)

Ein Tumor, der sich in den Milchgängen (duktal) der Brustdrüse gebildet hat und in umliegendes Gewebe eingebrochen ist (invasiv). Mehr Details findest du hier oder schau dir diese Übersicht der Tumortypen des Mammakarzinoms von Herrn Dr. von Koch auf der Website von Brustkrebs Deutschland e.V einmal an.

Grading von 3 (schlecht differenziert, G3),

Das Grading zeigt die Beurteilung von Krebszellen im Vergleich mit gesunden Zellen ihres Ursprungsgewebes auf. Grading 1 ist noch am ähnlichsten mit gesunden Brustzellen, Grading 3 weist nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit dem Ursprungsgewebe auf. Je höher das Grading ist, umso aggressiver sind die Tumoren. Mehr Details darüber kannst du hier lesen.

geringer intraduktaler Tumorkomponente (DCIS, Kerngrad 3)

DCIS ist die Abkürzung für intraduktales Karzinom, Englisch: ductal carcinoma insitu. Das DCIS wird nach dem Aussehen der Zellen und Zellkerne, Nekrosen (untergegangenen Zellen), Verkalkungen und Architektur bewertet, das Mammakarzinom nach Tubulusbildung, Kernaussehen und Zellteilungsrate. Alle Merkmale zusammen ergeben einen Grad 1 bis 3, der beim histopathomorphologischen Bericht mit G1 bis G3 angegeben wird.

 triple negativ (TNBC)

Ein TNBC (triple-negative breast cancer) liegt vor, wenn der Tumor nicht hormonabhängig ist, also keine Östrogen- und keine Progesteronrezeptoren exprimiert (ausgeprägt) sind, und keine HER2-Überexpression nachweisbar ist (ER-, PR-, HER2-). Etwa 15% aller Mammakarzinome sind tripelnegativ . Häufig wachsen diese 3-fach negativen Tumoren sehr schnell, streuen frühzeitig in andere Körperorgane und haben ein hohes Rückfallrisiko. Vor allem sind sie mit gängigen Behandlungsmethoden nur schwer zu bekämpfen. Fachleute sprechen von einer aggressiven Tumorbiologie. Weitere Details findest du z.B. hier.

KI67 bei 80%

Dieser Faktor lässt Rückschlüsse auf das Wachstumsverhalten von Krebszellen zu und kann als Ergänzung zum Grading gesehen werden. Liegt dieser Wert über 50 Prozent, hat man es mit einem sehr metastasierungsfreudigen Tumor zu tun. Hier erfährst du mehr darüber.

Doch ist die Diagnose „triple-negativ“ keineswegs gleichbedeutend mit „hoffnungsloser Fall“. Inzwischen gibt es unterschiedliche Therapiekonzepte, und nicht jeder triple negative Tumor scheint gleichermaßen zum Fürchten zu sein. Ein Blick in genetische Ausstattung der Tumore zeigt nämlich, dass es auch weniger Böse unter den Bösen gibt. Mamazone MAG, 01/2010

Das lässt hoffen. Und das stand schon im Artikel „Brustkrebs triple-negativ: Aggressiv, aber nicht unbesiegbar“, im Magazin des mamazone e.V. von 2010. In das Heft kannst du hier schauen.

Darüber hinaus steht da auch in den ganzen Befunden drin, was durch die Mammographie und Mammasonographie, so neben dem Malignom-Verdacht, also Verdacht auf Krebs/Krebsgeschwulst/bösartige Gewebeneubildung, klassifiziert wurde. Da steht nämlich, dass:

Mein linker Mops ein unauffälliges Parenchym, also normal funktionierendes Drüsengewebe, zeigt und mein rechter Mops eben nicht. Links wurde durch die BI-RADS-Klassifikation eine I angegeben, dass so viel bedeutet, dass der Befund negativ bzw. dort nichts Auffälliges zu sehen ist. Wohingegen rechts die V angegeben wurde, was eindeutig auf mehr als 95 % Malignomwahrscheinlichkeit hindeutet und deshalb histologisch abgesichert werden sollte. Was durch die Stanzbiopsie ja dann geschehen ist.

Und über die ACR-Klassifikation, hatte ich zusätzlich auch noch was über meine Brustgewebsdichte erfahren. Die bei mir, bei beiden Möpsen mit einer ACR-Dichte von 3 angegeben wird. Ich sag mal so, noch ordentlich fest. Yeah! Für eine vernünftige Röntgenbeurteilung ist so eine Dichte aber eher schlecht. Wie so die Klassifikationen im Einzelnen aussehen, kannst du hier sehen.

Okay, das machte das alles ein wenig verständlicher. Und sausüß, dass Dr. Chefarzt mir das alles auch aufmalte. Sonst wäre mir gar nicht so klar, was triplenegativ genau heißt und vor allem warum alles doch etwas schneller gehen musste. Und ich gehöre zu der Fraktion, also wenns dann wirklich um die Wurst, ähm, Operation geht: wenn Sie mir nicht sagen, was genau los ist und was Sie Schritt für Schritt an meinem Körper machen, mache ich gar nix.

Darüber hinaus zeichnete er mir also auch auf, wie die geplante brusterhaltende OP (BET) verlaufen soll. Entweder hier ein Schnitt oder da an der Brust, je nachdem wie man am besten da so ein Tortenstück herausbekommt. Ja, nicht nur mal eben das krebsige Teil, nein, gleich noch ein wenig mehr von drum herumliegendem Gewebe … sicher ist sicher! Das wird dann auch noch weiter im Labor untersucht.

Dazu werden dann auch erstmal über ein Schnell-Schnitt-Verfahren Nähe der Achsel der Wächter-Lymphknoten (Sentinel-Lymphknoten) und bis ca. 2 weitere Lymphknoten herausgenommen, um nachzuschauen, ob der Tumor quasi schon gestreut haben könne. Wenn das nicht der Fall ist, also die Lymphen tumorfrei sind, müssen keine weiteren bis zu 20 Lymphknoten entfernt werden und die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Lymphmetastasen vorliegen, ist gering.

Das war natürlich erst einmal der Plan, der sich immer noch ändern könne, wenn man auf dem OP-Tisch liegt und der Operateur sieht, was er da tatsächlich vor sich zu liegen hat. Und zwar einen wunderschönen Mops mit einem heimtückischen Schalentier, der hoffentlich noch nicht die Lymphknoten befallen und sonst wo hin metastasiert hat.

Etwa 70 Prozent aller Patientinnen mit Brustkrebs können prinzipiell von einer brusterhaltenden Therapie profitieren. Es hat sich gezeigt, dass die BET der kompletten Entfernung der Brust (Mastektomie) im Bezug auf Heilungs- und Überlebenschancen nicht unterlegen ist, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Daher ist die BET (brusterhaltende Brustkrebs-Operation) heute Mittel der Wahl, wenn eine operative Entfernung des Tumorgewebes notwendig ist. Brusterhaltende Therapie (BET), www.chirurgie-portal.de

Also, Brust raus und weiter im Text. Ich war immer noch sehr gefasst. Die Ärzte sind bisher super, nehmen sich Zeit und erklären mir all das, was ich wissen möchte. Das war nicht einfach nur beruhigend, sondern ich hatte das Gefühl mich in deren Arme fallen lassen zu können. Mit diesem positiven Gefühl gab ich am nächsten Tag die Krankmeldung beim Arbeitgeber ab und versprach stets positiv in die Zukunft zu blicken.

Doch natürlich war ich mit all diesen Informationen überfordert und verlor sehr schnell den Überblick, vergaß immer wieder bestimmte Zusammenhänge oder Inhalte. Irgendwie rennt man wie ein Huhn ohne Kopf durch die Gegend. Wichtig war es mir deshalb immer jemanden dabei zu haben, der alles mitschrieb und mit mir danach nochmal als rekapitulierte.

 


 

WTF – What the fuck = Willst du auch immer alles so genau wissen oder lieber nicht?

Ich habe bisher viele Frauen kennenglernt die tatsächlich nicht wussten, welchen Tumortyp sie haben und folglich deswegen auch nicht, warum sie welche Therapie erhalten. Oft sind es aber Frauen, die mit der Diagnose sehr überfordert sind und es irgendwie auch nicht genauer wissen wollen, weil ihnen das alles noch mehr Angst bereitet. Jede Frau geht damit anders um… Ich muss das irgendwie alles wissen und interessiere mich zudem dann auch sehr für die Details und frage den Ärzten Löcher in den Bauch, um so vor allem das Gefühl zu haben nicht ohnmächtig gegenüber den Behandlungsvorschlägen der Ärzte zu sein.

Viel wichtiger ist zudem auch noch, dass man doch genau wissen sollte worauf man sich da so einlässt. Man ist erst einmal mehr oder minder schockiert über diese Diagnose. Schnell macht sich Stress breit, nicht nur durch die Ärzte, sondern auch, weil man natürlich so schnell wie möglich nach dem Motto „bloß schnell raus mit dem Teil“ oder „zack zack das Ding sofort kleinchemotherapieren“ handeln möchte.

mamazone e.V. hat für diesen Fall eine kleine Checkliste für die Tage zwischen Diagnose und Operation online, auch zum downloaden, zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus gibt mamazone e.V. mit einem Online-Tool: „Befund verstehen“ – die Visitenkarte Ihres Tumors, die Möglichkeit durch das Eintragen der Daten aus dem Befund, den eigenen Tumor  besser zu verstehen. Denn anhand dieser Daten, die etwas über deine Prognose und dein Rückfallrisiko aussagen, wird dein Arzt gemeinsam mit dir eine bestimmte Therapieentscheidung treffen.

Wenn du mehr über die Abkürzungen eines histopathologischen Berichts beim Mammakarzinoms erfahren möchtest, dann geh mal auf die Seite von brustkrebsdeutschland.de oder klick direkt hier zur PDF.

Und wenn du noch mehr über das Thema brusterhaltende OP und vor allem über die Indikationen und Voraussetzungen lesen möchtest, kannst du bspw. hier oder hier mal reinlesen.

Aber schau nicht zuviel im Internet bzw. in Foren rum. Dadurch kann man ganz schnell auch unbegründete Ängste entwickeln. Am besten siehst du dich nur auf Seiten um, die sich als Verein o.Ä. als Aufgabe gemacht haben Frauen aufzuklären und zu beraten. Einige Beispiele habe ich hier schon in den Tagebucheinträgen erwähnt oder als Adresse unter dem Menüpunkt Links auf meiner Website aufgelistet. Alles andere solltest du deine behandelnden Ärzte oder gar PsychoonkologIn fragen.

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Hi, ich bin Ulrike...

...erst war da die Diagnose: Brustkrebs! Ich nenne es mit etwas Galgenhumor: Mopstollwut!

Das Lachen bleibt. Es ist die beste Medizin. Lach mit mir mit!

Was die Mopstollwut mit mir macht und ich mit ihr... Das könnt ihr in meinem Blog lesen!